Handyregeln führen in vielen Familien zu Konflikten – besonders in der Pubertät. Wenn Gespräche immer häufiger eskalieren und kaum noch möglich sind, stellt sich oft die Frage: Wie lassen sich klare Regeln durchsetzen, ohne dass die Situation weiter kippt?
In diesem Artikel erfahren Sie:
Erfahrungsbericht
Hallo, ich bin Mutter von zwei Teenager-Mädchen. Bei uns eskaliert die Situation immer mehr. Es gibt täglich Streit um Internetzeit, obwohl diese begrenzt ist. Die Freundinnen haben alle unbegrenzte Internetzeiten. Vereinbarte Dinge funktionieren kaum und müssen ständig neu diskutiert werden. Als Strafe erlaube ich ihnen dann teilweise gar kein Fernsehen oder Internet. Als ich ihr das Handy weggenommen habe, ist sie einfach nicht mehr in die Schule gegangen. Gespräche scheitern oft, die beiden laufen meist türenknallend davon. Ich frage mich: Wie viel Medienzeit ist sinnvoll – und wie lassen sich Handyregeln für Kinder durchsetzen, ohne dass alles eskaliert? [Ingrid, 46 Jahre]
Handyregeln verständlich machen
Sie fragen sich, wie sich Handyregeln durchsetzen lassen. Ein entscheidender Punkt liegt davor: Erziehung funktioniert über Beziehung. Wenn positive gemeinsame Momente fehlen, sollten diese bewusst wieder aufgebaut werden. Also: Gibt es auch gute Zeiten zwischen Ihnen und Ihren Töchtern?
Handyregeln lassen sich leichter finden und durchsetzen, wenn wir als Eltern verstehen, dass das Handy DAS Kommunikationsmittel der Kinder ab einem bestimmten Alter überhaupt ist. (Ganz ähnlich bei den Erwachsnen) Hierüber finden alle wichtigen sozialen Kontakte und Zuordnungen statt. Deshalb wird es oft als sehr persönlicher Angriff und Ausschluss aus der sozialen Gemeinschaft empfunden, wenn Eltern das Handy verbieten oder wegsperren. Darum ist es kein gutes Mittel um sich generell durchzusetzen. Besser wären immer logisch nachvollziehbare Begründungen.
Verständliche Regeln, die auch den sozialen Umgang in der Familie stützen sind:
Handyregeln gemeinsam aufstellen
Regeln sollten klar erklärt und begründet werden. Gleichzeitig hilft es, Kinder einzubeziehen – so steigt die Akzeptanz deutlich.
- Regeln gemeinsam festlegen
- Zeiten flexibel über die Woche verteilen
Wichtig ist vor allem die Konsequenz. Klare Zeitgrenzen helfen, Diskussionen zu reduzieren. Stellen Sie eine Uhr bzw. einen Wecker, damit allen klar ist, wie viel Zeit noch bleibt und wann die Zeit abgelaufen ist, und dann gilt es, konsequent und ruhig zu bleiben. Kinder lernen, wie lange Sie noch nerven können.
Zur Nutzung des Internets gibt es hilfreiche Tipps, zu finden unter klicksafe.de – eine EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Gleichzeitig spielt das eigene Verhalten eine große Rolle: Kinder orientieren sich stark daran, was sie bei den Eltern beobachten.
Verantwortung im Alltag übernehmen
Handy weg bei den Mahlzeiten. Hier wollen wir uns unterhalten. Zeigen Sie Interesse an dem was Ihr Kind bewegt, und fragen Sie es nicht nur einfach aus und erzählen Sie auch von Ihrem Alltag.
Übrigens, was für die Kids gilt, gilt auch für die Erwachsenen. Lernen am Vorbild!
Handy weg bei anderem Medienkonsum. Fernsehen und gleichzeitig Handy daddeln ist zu viel. Entweder das eine oder das andere.
Handy weg bei den Hausaufgaben. Es stört die Konzentration und lenkt ab. Am besten ist es in dieser Zeit in einem anderen Zimmer an der Ladestation
Handy weg in der Schlafenszeit. Damit der Schlaf gut und ungestört und damit erholsam ist, sollte das Handy für die Kinder unerreichbar in einem anderen Raum liegen. Bitte haben Sie als Eltern die Kontrolle.
Mit zunehmendem Alter der Kinder können die Regeln dynamisch angepasst werden.
Wenn diese Regeln umgesetzt werden, bleibt schon gar nicht mehr so viel Zeit. Sie können mit Ihren Kindern ein Zeitkontingent für die Mediennutzung vereinbaren. Bei Vorschulkindern möglichst unter max. 30 Min. tägl. Bei Grundschulkindern, max.30 Min.tägl.
Manchmal kann es sinnvoll sein, diese Medienzeit zu sammeln. Um am Wochenende eine längere Zeit am Stück zu haben.
Handy her, wenn es um Aufklärung geht. Nehmen Sie sich Zeit mit Ihrem Kind (je nach Alter) ins Handy zu schauen. Dann finden Sie ganz nebenbei heraus, wofür es sich interessiert und wie seine Kontakte verlaufen.
Handy her, wenn Ihr Kind Sorgen hat und vielleicht „schlechte Nachrichten“ von Freunden bekommt. Vieles können Kinder noch nicht allein regeln. Ein vertrauensvolles Verhältnis hilft Erwachsene mit einzubinden.
Handy her, Vokabeln, Lerntexte können mit der Sprachfunktion auch mal unterstützt werden
Trauen Sie sich auch bestimmte Inhalte zu sperren
Regeln statt Strafen
Bei allem sollten Sie Ihre Kinder in die Absprachen mit einbeziehen. Die Kinder sollten Ihr Handeln nachvollziehen können und nicht willkürlich Ihren Entscheidungen ausgeliefert sein. Dadurch wächst die Sorge, dass bei Fehlverhalten Handyverlust droht. Weniger Kooperationsbereitschaft und mehr Handeln im Verborgenen sind die Folge.
Gemeinsame Zeit mit Spiel, Spaß, kochen, backen, Ausflügen im Kreis von Freunden und Familie sind immer hoch favorisiert bei Kindern. Dadurch entstehen gemeinsame Erlebnisse, werden schöne Erinnerungen geschaffen und das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Kinder die sich verbunden und geliebt sind weniger gereizt und zeigen eine höhere Kompromissbereitschaft. Nachvollziehbare Handlungen von Erwachsenen sorgen für ein einschätzbares und sicheres Umfeld.
Gleichzeitig spielt das eigene Verhalten eine große Rolle: Kinder orientieren sich stark daran, was sie bei den Eltern beobachten
Mehr Kooperation, weniger Streit
Langfristig geht es darum, mehr Kooperation zu entwickeln. Konflikte gehören dazu, sollten aber nicht den Alltag bestimmen.
Gehen Sie nach Streit wieder aktiv auf Ihre Kinder zu. Gerade in angespannten Situationen brauchen Kinder Orientierung. Wenn Eltern zeigen, wie Gespräche wieder aufgenommen werden können, entsteht Schritt für Schritt wieder mehr Verbindung.
Literaturempfehlungen
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- Manfred Spitzer : „Digitale Demenz“ Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen, erschienen bei Droemer
- Manfred Spitzer „Vorsicht Bildschirm“ Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft, erschienen bei dtv



