Fragen Sie sich: „Bin ich alkoholsüchtig?“ Vielen Menschen fällt es schwer, den eigenen Alkoholkonsum realistisch einzuschätzen. Der folgende Erfahrungsbericht und die psychologische Antwort helfen Ihnen dabei, Ihr eigenes Trinkverhalten besser einzuordnen.
Erfahrungsbericht
„Ich frage mich schon länger, ob ich alkoholsüchtig bin. Im Studium gehe ich oft mit Kommilitonen aus. Dabei trinken wir häufig viel und sind oft betrunken. Das fällt kaum auf, weil es bei uns normal ist.
Außerdem trinke ich fast jeden Abend allein zu Hause zwei oder drei Gläser Wein oder Gin Tonic. Für mich ist das wie eine Belohnung nach einem anstrengenden Tag. Im Studium habe ich keine Probleme, trotzdem frage ich mich, ob ich meinen Alkoholkonsum reduzieren sollte.“
[Anna, 23 Jahre]
Bin ich alkoholsüchtig oder trinke ich nur zu viel?
Liebe Anna, nicht jeder regelmäßige Alkoholkonsum bedeutet automatisch eine Alkoholabhängigkeit. Man unterscheidet zwischen:
- Alkoholabhängigkeit
- Schädlichem Alkoholkonsum
- Riskantem Alkoholkonsum
Auch ohne Alkoholabhängigkeit kann regelmäßiges Trinken langfristig gesundheitliche Folgen haben. Deshalb empfehlen Fachleute, täglich nicht mehr als ein Standardglas Bier oder Wein zu trinken und mehrere alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen.
Auch wenn noch keine Alkoholabhängigkeit vorliegt, kann regelmäßiger Alkoholkonsum bereits gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Genaue Informationen über diese Empfehlungen und einen einfachen Selbsttest gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter kenn-dein-limit.de.
Bin ich alkoholsüchtig? Welche Rolle spielt das Trinken mit anderen?
Aus Ihrer Frage wird deutlich, dass Sie sich selbst bereits Gedanken machen. Das ist ein wichtiger erster Schritt.
Überlegen Sie:
- Gehört Alkohol in Ihrem Freundeskreis selbstverständlich dazu?
- Können Sie gemeinsam auch ohne Alkohol ausgehen?
- Wird häufiges Betrunkensein überhaupt hinterfragt?
- Gibt es andere, die ähnliche Zweifel haben?
Ein offenes Gespräch mit Freunden kann helfen, das eigene Verhalten realistischer einzuschätzen.
Bin ich alkoholsüchtig? Warum trinken Sie auch allein?
Besonders aufmerksam macht, dass Sie auch allein Alkohol trinken.
Fragen Sie sich:
- Warum trinken Sie gerade abends zu Hause?
- Wie fühlen Sie sich ohne Alkohol?
- Was gibt Ihnen der Alkohol in diesen Momenten?
Sie beschreiben Alkohol als Belohnung. Das kann problematisch werden. Alkohol entspannt kurzfristig, wodurch das Gehirn lernt, Stress auf diese Weise zu bewältigen. Mit der Zeit tritt Gewöhnung ein, die gewünschte Wirkung nimmt ab und oft wird unbewusst mehr getrunken. So kann ein Teufelskreis entstehen.
Überlegen Sie deshalb auch:
- Welche anderen Belohnungen tun Ihnen gut?
- Was verschafft Ihnen Entspannung oder Genuss – ganz ohne Alkohol?
Bin ich alkoholsüchtig? Machen Sie den Selbsttest
Ein einfaches Experiment kann hilfreich sein:
- Verzichten Sie bewusst für einige Zeit auf Alkohol.
- Beobachten Sie, wie leicht oder schwer Ihnen das fällt.
- Achten Sie darauf, welche Gedanken oder Gefühle dabei entstehen.
Wenn Sie merken, dass Ihnen der Verzicht schwerfällt oder Sie Unterstützung möchten, können Suchtberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen helfen, Ihren Alkoholkonsum gemeinsam einzuordnen.



