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Zwangseinweisung: kann mir das passieren?

zwangseinweisung

Unbekannt, 19 Jahre:

Kann eine Mutter eine 19- jährigen Tochter in eine Psychiatrie zwangseinweisen lassen, weil sie sich selbst verletzt hat? Auch wenn keine Suizidversuch vorliegt und auch keine Gefahr für andere besteht?

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Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende,

die persönliche Freiheit ist ein hohes Gut. Daher gibt es sehr strenge Auflagen für eine Einweisung von Menschen gegen ihren Willen, die so genannte Zwangseinweisung. Menschen können nur dann zwangseingewiesen werden, wenn sie für sich selbst oder für andere Menschen eine akute und erhebliche Gefahr darstellen. Die Fachbegriffe dafür sind Selbstgefährdung und Fremdgefährdung.

Eine Zwangseinweisung darf auch keine Angehörige wie die Mutter einer volljährigen Tochter vornehmen, sondern ein Arzt oder eine Ärztin muss in einem Gutachten die Notwendigkeit feststellen und dann ist ein Gerichtsbeschluss notwendig. Im Falle von Selbstverletzungen wäre dies nur der Fall, wenn es sich um lebensbedrohliche Verletzungen bzw. einen Suizidversuch handelt.

Zwangseinweisung: welche Rechte haben Sie?

Auf dieser Seite der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen finden Sie eine gute Übersicht zur Frage der Patientenrechte im Fall einer Zwangseinweisung. Also, zu Ihrer konkreten Frage: wenn das selbstverletzende Verhalten der Tochter keine Lebensgefahr darstellt, darf sie von niemandem gegen Ihren Willen zwangseingewiesen werden.

Was steht hinter der Drohung der Zwangseinweisung?

So wie sie die Situation beschrieben haben, könnte man vermuten, dass die Androhung einer Zwangseinweisung die Hilflosigkeit der Mutter zeigt. Es könnte der Versuch sein, ihrer Tochter zu helfen, in einer Situation in der sie wenig Möglichkeiten sieht. Viele junge Menschen zeigen in bestimmten Phasen ihres Lebens selbstverletzendes Verhalten. Da diesen Phänomen häufig auftritt, gibt es in vielen Städten Beratungsstellen und auch im Internet gute Angebote. Ein Beispiel: das Sorgen-Tagebuch

Ich kann mir vorstellen, dass es für die Mutter entlastend wäre zu wissen, dass ihre Tochter Hilfe von Außen annimmt.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.
Liebe Grüße

  • Nora Thiemann ist Psychologin und systemische Therapeutin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.Die Beratung von Psychologen Online per Videochat oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden


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