Viele Menschen kennen dieses Gefühl: Eigentlich läuft beruflich alles stabil, doch die Zufriedenheit fehlt. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum unzufrieden im Job sind, kann das sehr belastend sein – besonders wenn Arbeit viel Zeit und Energie einnimmt. Im folgenden Beispiel schildert ein Leser seine Situation. Vielleicht erkennen auch Sie sich darin wieder und fragen sich: Unzufrieden im Job – was tun?
In diesem Artikel erfahren Sie:
Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Architekturbüro und habe dort inzwischen viel Verantwortung übernommen. Die hohe Arbeitsbelastung und wenig Zeit für eigene Interessen machen mich zunehmend unzufrieden. Gleichzeitig habe ich Ideen für eigene Projekte, traue mich aber nicht, beruflich etwas zu verändern, weil ich Angst habe, die Sicherheit meines Jobs zu verlieren.
Antwort von Psychologen Online
Lieber Simon, vielen Dank für Ihre Anfrage.
Wenn Menschen unzufrieden im Job sind, stehen sie oft zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und dem nach Veränderung. Eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung kann dabei zunehmend auf die psychische und körperliche Erholung wirken. Wenn Sie genauer verstehen möchten, wie chronische Überlastung entsteht, kann es hilfreich sein, die eigene Belastung nicht nur als vorübergehenden Arbeitsfrust zu betrachten. Gleichzeitig können wirksame Wege zum Stressabbau dabei unterstützen, schon vor einer größeren beruflichen Entscheidung wieder mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.
Auch das soziale und organisatorische Umfeld am Arbeitsplatz spielt eine wichtige Rolle. Wenn Spannungen im Team zur Belastung beitragen, kann es sinnvoll sein, Konflikte mit Kollegen lösen besser verstehen zu können. Wer selbst Personalverantwortung trägt, steht zusätzlich vor der Aufgabe, eigene Belastungen und Führungsverantwortung miteinander zu vereinbaren; hierzu finden Sie mehr über schwierige Mitarbeiter führen.
Zu Anfang gleich mal eine gewagte Hypothese: Geht nicht, gibt’s nicht. Mal angenommen, 4-Tage-Büro geht doch, Sie trauen sich nur noch nicht. Vielleicht gab es diesen Fall in Ihrem Büro noch nicht und Sie wären damit ein Pionier. Was wäre, wenn Sie wirklich müssten – wenn Sie pflegebedürftige Eltern hätten oder selbst eine chronische Krankheit?
Würde dann wirklich die Kündigung drohen? Wie viel sind Sie dem Unternehmen als Projektleiter mit Personalverantwortung wert? Wie ist Ihre Verhandlungsposition?
Arbeitsbedingungen sind nicht ausschließlich Privatsache der Beschäftigten. Auch Unternehmen und Führungskräfte können durch Arbeitsorganisation, realistische Anforderungen und geeignete Unterstützungsangebote dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren. Hintergrundinformationen dazu bietet die BAuA: menschengerechte Arbeitsgestaltung. Für Unternehmen, Personalverantwortliche oder das betriebliche Gesundheitsmanagement kann darüber hinaus eine psychologische Mitarbeiterberatung für Beschäftigte und Führungskräfte eine Möglichkeit sein, Mitarbeitende bei beruflichen und persönlichen Belastungen frühzeitig zu unterstützen.
Warum lasse ich es zu, unzufrieden im Job zu sein?
Manchmal halten wir an einer belastenden Situation fest, weil wir davon ausgehen, dass sich ohnehin nichts ändern lässt. Häufig sind das jedoch Annahmen – keine überprüften Fakten.
Haben Sie denn den Chef schon einmal gefragt oder glauben Sie nur, dass dieser eine Arbeitsreduzierung oder Homeoffice ablehnen würde? Und wenn es schon mal abgelehnt wurde, wie lange ist das her und was waren die Argumente? Gibt es mittlerweile gute Gründe für Ihren Wunsch, die auch der Chef nicht ignorieren kann? Und was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie darauf bestehen?
Selbst die Meinung des Chefs kann sich ändern – wenn er weiß, was auf dem Spiel steht: möglicherweise seinen Mitarbeiter zu verlieren.
Scheuen Sie vielleicht ein Konfliktgespräch? Darauf kann man sich – eventuell mit Unterstützung – vorbereiten, sowohl mit guten Argumenten als auch emotional.
Veränderungen selbst anstoßen
Wenn Sie dauerhaft unzufrieden im Job sind, kann es auch sinnvoll sein, sich aktiv nach Alternativen umzusehen. Das bedeutet nicht automatisch, sofort zu kündigen. Vielmehr geht es darum, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und wieder ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu bekommen. Wenn Sie wichtige berufliche Schritte immer wieder aufschieben, obwohl der Veränderungswunsch bereits lange besteht, kann es zusätzlich hilfreich sein, Prokrastination überwinden besser verstehen zu können.
Hilfreiche Schritte können sein:
- sich über Teilzeit- oder alternative Stellen zu informieren
- einige Bewerbungen zu schreiben, um den eigenen Marktwert zu prüfen
- mit der Partnerin oder dem Partner über Frust und Möglichkeiten zu sprechen
Vielleicht können Sie ja mit Unterstützung der Partnerin oder des Partners für eine gewisse Zeit ganz auf eine Stelle verzichten, um sich anderen Ideen zu widmen und sich dort etwas aufzubauen. Oder Ihre Firma bietet die Möglichkeit eines Sabbaticals. Wenn Ihre Projektideen sich nicht verwirklichen ließen, gäbe es dann noch eine Rückkehrmöglichkeit in die Firma? Die freie Zeit könnten Sie auch nutzen, den Arbeitsmarkt zu sichten und sich eine neue Stelle zu suchen.
Kleine Schritte gegen Unzufriedenheit im Job
Nicht immer muss sofort eine große Entscheidung getroffen werden. Auch kleinere Veränderungen können bereits eine spürbare Entlastung bringen.
Zum Beispiel:
- nach Homeoffice fragen
- bewusst pünktlich Feierabend machen
- feste Zeiten für eigene Projekte oder Hobbys einplanen
Grenzen setzen lernen
Ein häufiger Grund, warum Menschen unzufrieden im Job werden, ist dauerhafte Überlastung. Wer immer neue Aufgaben übernimmt, läuft Gefahr, irgendwann die Freude an der Arbeit zu verlieren.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, sich folgende Fragen zu stellen:
- Wann haben Sie zuletzt „Nein“ zu einem Projekt gesagt?
- Müssen wirklich alle Aufgaben von Ihnen übernommen werden? Könnten Sie mehr delegieren?
- Geht Ihr Chef vielleicht davon aus, dass Sie Projekte ohnehin nicht ablehnen, Sie also immer eine gute Anlaufstelle für ihn sind?
Manchmal entsteht neue Zufriedenheit nicht durch mehr Möglichkeiten – sondern durch ein klares Bewusstsein über die eigenen Grenzen und darüber, dass Sie ein Recht auf eigene Bedürfnisse haben und diese auch äußern dürfen.
Werden Sie aktiv
Versuchen Sie mal, die von Ihnen gewünschten Veränderungen konkret zu planen und sich dabei auch selbst Fristen zu setzen. Wenn Sie bereits „seit einigen Jahren“ unzufrieden im Job sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass durch mehr Warten und Hoffen Besserung eintritt.
Nehmen Sie es in die Hand! Dabei können auch kleine Veränderungen ein Anfang sein. Probieren Sie etwas Neues und schauen Sie nach einer Weile, ob Sie zufriedener sind.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei, sich auszuprobieren!
Literaturverzeichnis
- Gulder, A. (2022). Finde den Job, der dich glücklich macht: Von der Berufung zum Beruf. Campus Verlag.
- Repplinger, C. (2022). Wieder zufrieden im Beruf: Von der Arbeit, die du hast, zu der Arbeit, die du willst. StopOver Verlag.
Faragher, E. B., Cass, M. & Cooper, C. L. (2005): The relationship between job satisfaction and health: a meta-analysis. Occupational and Environmental Medicine, 62(2), 105–112. Die Meta-Analyse von 485 Studien mit insgesamt 267.995 Teilnehmenden untersucht den Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und körperlicher sowie psychischer Gesundheit. Besonders deutliche Zusammenhänge zeigten sich mit Burnout, depressiven Beschwerden und Angst.
Extremera, N., Mérida-López, S., Quintana-Orts, C. & Rey, L. (2020): On the association between job dissatisfaction and employee’s mental health problems: Does emotional regulation ability buffer the link? Personality and Individual Differences, 155, 109710. Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit im Beruf und psychischen Belastungen bei Berufstätigen. Eine höhere Arbeitsunzufriedenheit war mit stärkeren Symptomen von Depression, Angst und Stress verbunden; zugleich weisen die Ergebnisse auf die mögliche Bedeutung der Emotionsregulation als Schutzfaktor hin.




