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Unzufrieden im Job: bleibe oder gehe ich?

Unzufrieden im Job

Simon, 35 Jahre:

Vielen Dank für diese Unterstützung. Ich arbeite seit acht Jahren in einem Architekturbüro, in dem bereits zu Studienzeiten gejobbt habe. Über die Jahre bin ich Trainee zum festen Mitarbeiter aufgestiegen, mit Personalverantwortung und vielen Projektleitungen. Die Arbeitsbelastung war schon immer hoch. 10-Stunden-Tage und Arbeit am Wochenende ist keine Seltenheit. Das Gehalt ist auch nicht grad beeindruckend. Damals hat es mir weniger ausgemacht. Aber seit einigen Jahren macht mir die Arbeit immer weniger Spass, ich unzufrieden im Job bin. Zudem strengt mich der Arbeitsdruck immer mehr an. Meine Frau arbeitet ähnlich viel, daher hat sie Verständnis. Aber gesund für unsere Ehe ist das auf Dauer auch nicht…

"ich bin unzufrieden im Job und frustriert, für die Dinge, die mich begeistern, keine Zeit zu haben"

Nebenbei habe ich eine paar private Projekte, von denen ich denke, dass sie mit der Zeit auch ein Einkommen generieren könnten. Um das jedoch weiter zu entwickeln, bräuchte ich viel mehr Zeit, die ich selten habe. Eine Viertage-Woche würde mein Chef nicht erlauben. Das verstehe ich auch: es gibt zu viele Projekte für zu wenig Personen. Auch unsere Art zu Arbeiten passt nicht zu Teilzeit.

Was mich am meisten belastet, ist der fehlende Spass bei der Arbeit und der Frust darüber, dass ich für die Dinge, die mich begeistern keine Zeit habe. Ich dachte schon daran, zu kündigen und eine stumpfen Job anzunehmen, bei dem ich zeitlich flexibel bin. Aber meine gute Stellung aufzugeben, traue ich mich nicht. Außerdem habe ich Sorge das meine Privatprojekte floppen und dann gar nichts habe.

Das ist meine Situation. Was denken Sie darüber?

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Antwort von Psychologen Online


Lieber Simon, vielen Dank für Deine Anfrage. Zu Anfang gleich mal eine gewagte Hypothese: Geht nicht, gibt’s nicht. Man angenommen, 4-Tage-Büro geht doch, Sie trauen sich nur noch nicht. Vielleicht gab es diesen Fall in Ihrem Büro noch nicht und Sie wären damit ein Pionier. Was wäre, wenn Sie wirklich müßten - wenn Sie pflegebedürftige Eltern hätten oder selbst eine chronische Krankheit? Würde dann wirklich die Kündigung drohen? Wie viel sind Sie dem Unternehmen als Projektleiter mit Personalverantwortung wert? Wie ist Ihre Verhandlungsposition? „Viel Arbeit bei wenig Mitarbeitern“, das klingt nach einem Anzeichen für Fachkräftemangel? Das würde Ihren Wert erhöhen und Ihre Verhandlungsposition weiter verbessern.


Warum lasse ich es zu, unzufrieden im Job zu sein?

Wie sehen Sie selbst die Situation: Ist für Sie Zeit für private Verpflichtung akzeptabel, für das Ausleben der eigenen Interessen jedoch nicht? Haben Sie denn den Chef schon einmal gefragt oder glauben Sie nur, dass der es ablehnen würde? Und wenn es schon mal abgelehnt wurde, was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie darauf bestehen? Selbst die Meinung des Chefs kann sich ändern - wenn er weiß, was auf dem Spiel steht (möglicherweise seinen Mitarbeiter zu verlieren?)

Veränderungen selbst herbeiführen

Ein anderer Ansatz, weniger unzufrieden im Job zu sein wäre, sich tatsächlich nach etwas anderem umzusehen. Teilzeit und anspruchsvollen Entwicklungschancen: Was würde Sie interessieren? Schreiben Sie mal ein paar Bewerbungen - schon um zu schauen, was es gibt und welche Chancen Sie haben. Je nach Erfolg, können Sie mit einer Jobalternative im Rücken bei Verhandlungen mit Ihrem alten Chef auch fordernder auftreten.

Was sagt denn Ihre Frau zu Ihrem Frust und Ihren Überlegungen? Haben Sie alle Optionen mal mit ihr besprochen? Vielleicht
können Sie ja mit ihrer Unterstützung für eine gewisse Zeit ganz aufhören, um sich anderen Ideen zu widmen und dort etwas aufzubauen. Wenn Ihre Projektideen floppen, gäbe es noch einen Rettungsanker und Luft, sich eine neue Stelle zu suchen?

Kleine Schritte für mehr Zufriedenheit

ein, zwei Tage Normalität pro Woche?

Wenn Ihnen diese Überlegungen momentan doch noch zu radikal sind, können manchmal auch schon Kleinigkeiten entlastend wirken. Vielleicht könnten Sie nach Home-Office fragen, es reduziert oft schon den Stress, sich Fahrtzeiten zu sparen. Zudem können Sie einfach mindestens ein oder zwei Mal die Woche pünktlich gehen und dann konsequent etwas für sich tun.

Was brauchen Sie, um NEIN zu sagen?

Mal angenommen, es wäre möglich anstehende Projekte auszuwählen. Weniger Belastung, könnte zu mehr Spaß bei der Arbeit sorgen. Wie kommt es, dass Sie so lange und viel arbeiten? Wann haben Sie das letzte Mal „Nein“ zu einem Projekt gesagt? Was müßte passieren, dass Sie die Übernahme eines Projekts ablehnen? Mal angenommen, Ihr Chef weiß, dass Sie sich nicht trauen, nach einem freien Tag zu fragen, könnte er auch der Auffassung sein, dass Sie angetragene Projekte nicht ablehnen werden?

Werden SIE aktiv!

Versuchen Sie mal, die von Ihnen gewünschten Veränderungen konkret zu planen und sich dabei auch selbst Fristen zu setzen. Wenn Sie bereits „seit einigen Jahren“ unzufrieden im Job sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass durch mehr Warten und Hoffen Besserung eintritt. Nehmen Sie es in die Hand! Dabei können auch kleine Veränderungen ein Anfang sein. Probieren Sie etwas Neues und schauen nach einer Weile, ob Sie zufriedener sind.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim sich ausprobieren!

  • Bettina Kappe ist systemische Theapeutin und Coach und lebt in Holzwickede bei Dortmund.

  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.Die Beratung von Psychologen Online per Videochat oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden


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