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Winterdepression: wie schütze ich mich davor?

Sonnen.Blumen, weiblich, 20 Jahre

Hallo liebes Psychologen-Team,

im letzten Winter beschäftigte mich die Frage sehr, ob ich depressiv bin. Zu dieser Zeit brach ich mein Studium im 4. Semester ab. Zwar kümmerte ich mich direkt um einen neuen Studiengang, gefühlsmäßig war diese Zeit jedoch eine Katastrophe: Sobald ich mich nicht mehr unter Freunden oder Familie befand, fühlte ich mich total einsam. Nicht nur „allein“, sondern, wirklich einsam. Ich hatte keine Lust irgendwas zu tun und verschließ so viel wie möglich vom Tag, damit die Zeit schneller vergeht. Ab und zu musste ich auch einfach weinen. Generell war es abends am Schlimmsten. Plötzlich wurde ich traurig, hatte einen rapiden Stimmungsabfall, könnte man sagen.

Allerdings ging der Studienabbruch auch mit Gedanken einher, dass meine Freunde aus meinem alten Semester mich nicht mehr „wollen“, weil ich ja nicht mehr zu ihnen gehöre. Davor hatte ich Angst. Ich fühlte mich in meiner Studienstadt nicht mehr wohl, weil ich mich eben von der Umwelt so abgekapselt fühlte. Am glücklichsten war ich tatsächlich, wenn ich bei meinen Eltern war oder meinen Bruder um mich hatte. Ich mag es, dass immer jemand da ist, den ich einfach liebe. In ihrer Gegenwart war gut gelaunt, die meisten bezeichnen mich auch als „Sonnenschein“ und „Optimist“. Ich habe gedacht, mein Problem läge an dem unstrukturierten Lebensstil. Daher versuchte ich, meine Arbeit regelmäßig zu legen, zur gleichen Zeit aufzustehen und To-Do-Listen zu erstellen. Aber selten konnte ich mich aufraffen, die Dinge sofort anzupacken.

Mittlerweile ist viel passiert: Ich bin jetzt wieder fest im Studium eingespannt und habe auch nicht mehr die Zeit "nichts" zu tun. Das Stimmungstief hat sich seit dem Frühjahr gelegt. Die Antriebslosigkeit und generelle Erschöpfung ist kaum mehr zu spüren, es geht mir wieder sehr gut. Nach meinen Recherchen habe ich die Vermutung, dass es sich um eine Winterdepression gehandelt haben könnte. Auch Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel hatte ich zu mir genommen, allerdings ohne Effekt.

Dennoch habe ich wie bereits erwähnt, Angst dass ich diesen Winter wieder so motivationslos und niedergeschlagen sein werde. Ist das eine Winterdepression? Mein größter Wunsch ist es, nie wieder in dieses schlimme Tief zu gelangen. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Mich würde interessieren, ob das ganze vielleicht ja doch ganz normal ist und falls nicht, was ich tun kann, um mich davor zu schützen.

Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende,

eine klassische Depression kann sich in verschiedenen Symptome zeigen: Antriebslosigkeit, insbesondere morgens, durch Grübeln, Schlafstörungen und eine gedrückte Stimmung. Meist lässt sich erst auf eine Depression schließen, wenn mehrere der genannten Symptome vorkommen. Entscheidend ist auch die Dauer der Symptome. Bei einer genauen Diagnose kann ein Psychiater helfen.

Was ist "Winterdepression"?

Insbesondere die Winterzeit und der damit zusammenhängende Mangel an Licht, Aktivitäten und sozialen Kontakten kann auf die Stimmung schlagen, es wäre also möglich, dass es sich bei Ihnen tatsächlich um eine Winterdepression gehandelt hat. Wie war das sonst in ihrem Leben, war Ihre Stimmung abhängig von den Jahreszeiten? Da Sie im letzten Winter gerade einen Umbruch durchlebten, könnte es ebenso sein, dass Ihre negativen Gefühle lediglich eine normale Reaktion auf die aktuellen Veränderungen gewesen sind. Die Angst vor dem Verlust der Freunde, weil einen nicht mehr dieselben Themen beschäftigen und man daher nicht mitreden kann, das Gefühl nicht mehr dazu zugehören und „abgekapselt“ zu sein, all das zieht ja häufig eine gewisse Einsamkeit nach sich.

Wie können Sie einer Winterdepression vorbeugen?

Zu Ihrer Sorge, dass es Ihnen kommenden Winter wieder schlechter gehen könnte, würde ich vorschlagen, dass Sie sich wie ein Eichhörnchen "Vorräte für den kalten Winter" anlegen. Was brauchen Sie um den nächsten Winter gut zu überstehen? Diesbezüglich können Sie viel aus Ihrer Besserungsphase im Frühjahr lernen. Was waren die Ursachen für die Verbesserung, warum fühlen Sie sich in Ihrem jetzigen Alltag wieder wohl? Hilfreich könnte auch sein, ein „Stimmungstagebuch“ zu führen. Auch bei Ihrer ja nun wieder guten Grundstimmung können Sie sicher Schwankungen, die durch Ihr eigenes Verhalten beeinflussbar sind, ausmachen. Dazu gehört ein geregelter Tagesablauf und regelmäßige soziale Kontakte. Gut wäre auch, sich ein Hobby zu suchen, das Sie im Winter auf jeden Fall weiterführen können. Insbesondere regelmäßige Bewegung bzw. Sport können die Stimmung aufhellen und sind eine bewährte „Vorsorgemaßnahme“. Zusätzlich können Sie feste Treffen mit Menschen, die Ihnen guttun, also z.B. Ihren Eltern und Ihrem Bruder einzuplanen.

Ihnen fällt sich noch mehr ein. Sie werden ja als "Sonnenschein" beschrieben. Wie können Sie die Sonnenstrahlen mit in den Winter retten?

Alles Gute für Sie! Viele Grüße,
Nora Thiemann

  • Hallo, ich bin Nora Thiemann, systemische Therapeutin und lebe in Berlin.

Verlassene Eltern: wenn Kinder den Kontakt verweigern

Rot, weiblich, 52 Jahre
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Hallo,

Ich habe Familie und erwachsene Kinder, stehe mitten im Leben, bin selbstständig und habe 30 Jahre Ehe in einer gefestigten Beziehung hinter mir. Ich bin sehr emotional und leidenschaftlich und kreativ. Was ich im Leben erreichen wollte, habe ich geschafft. Zu meiner jüngsten Tochter hatte ich immer ein besonderes Verhältnis, wir könnten uns immer alles sagen und haben meist eine Lösung für Probleme gefunden. Sie hat ein gutes Abitur, wollte eine Ausbildung machen, nach einem Jahr abgebrochen. Nun doch Studium, nach 2 Jahren abgebrochen. Sie lebt seit 3 Jahren nicht mehr zu Hause. Nun wird das Studium wieder abgebrochen und in eine Ausbildung in dieselbe Richtung begonnen. Vielleicht ist sie computersüchtig. Wir machen uns Sorgen und haben Angst um sie.[spacer height="5px"]
Ostern war sie für eine Woche zu Hause. Wir hatten kaum Kontakt, sie hatte sich isoliert. Einen Tag vor der Abreise haben wir ein ruhiges Gespräch geführt. Dort teilte sie mir mit, dass sie uns liebt und respektiert, aber vorerst kein Kontakt mehr möchte. Sie schafft ihr Leben allein, sollte sie Hilfe brauchen, wendet sie sich an uns. Das klingt alles sicher nicht weiter schlimm, für Außenstehende. Uns, verlassene Eltern, zieht es gerade den Boden unter den Füßen weg. Es geht, wenn ich mich ablenken, am Tag einigermaßen. In Ruhe bin ich innerlich tieftraurig, schlafe schlecht und habe zu nichts mehr Lust. Immer wieder kreisen meine Gedanken um dieses Thema. Ich kann damit leider nicht umgehen und es ist das erste Mal, dass ich diesbezüglich Hilfe suche.

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Antwort von Psychologen Online
Liebe Anfragende, aus Ihrer Nachricht lese ich viel Sorge um Ihre Tochter. Da sie sich scheinbar Ihrem Einfluss entziehen möchte, bleibt ein Gefühl von Ohnmacht. Wären wir gemeinsam im Gespräch, fände ich vor allem folgende Fragen interessant, mit Ihnen zu besprechen: Welche konkreten Ängste beschäftigen Sie? Wie denkt Ihre Tochter über diese Ängste? Und, was brauchen Sie, um diese schwierige Situation auszuhalten zu können?

Verlassene Eltern und viele Ängste

Zur Frage nach den Ängsten: Was treibt Sie um? Ist es die Sorge davor, dass Ihre Tochter in der eigenen Wohnung verwahrlost oder vereinsamt? Vielleicht sogar gesundheitlich gefährdet ist? Oder geht es eher um die berufliche Entwicklung, die Ihnen Sorgen bereitet? Sie sagten „verlassene Eltern“: Teilen Sie und Ihr/e Gesprächspartner genau dieselben Einschätzungen, oder gibt es unterschiedliche Meinungen? Der Gedanke dahinter: Konkretisieren Sie Ihre Befürchtungen, damit Sie nicht nur ein diffuses Bauchgefühl bleibt. Wenn Sie die konkreten Befürchtungen ausgesprochen haben, überprüfen Sie, wie andere Menschen darüber denken. Vielen Menschen kennen Ihre Tochter, dennoch unterscheiden sich die Meinungen oft deutlich – weil andere Beziehungen bestehen oder man die Situation mit seinem ganz persönlichen Blick betrachtet.
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Was denkt Ihre Tochter, über Ihre Ängste? Aus Ihren Beschreibungen wurde mir nicht deutlich, wie offen Sie Ihre Befürchtungen mit Ihrer Tochter teilen. Kennt sie Ihre Ängste und Vermutungen, beispielsweise die der Spielsucht? Weiß Ihre Tochter, wie schwer der Wunsch nach Abstand für Sie zu ertragen ist? Vielleicht ist es möglich mit Ihrer Tochter über Ihr Gefühl in den Austausch zu kommen – und, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie Sie beide die aktuelle Situation gut aushalten können.

Verlassene Eltern oder nur zurzeit kein Kontakt?

Ihre Tochter wünscht sich mehr Abstand. Dahinter könnte der Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit stecken. Angenommen Sie würde Ihre Sorge als Druck und Kontrolle erleben, könnte daraus das Bedürfnis nach mehr Distanz entstehen. Möglich wäre, dass sich ihre Tochter gerade im einem Prozess der Selbstfindung befindet und keine Erwartungen oder Meinungen von außen wünscht. So gibt es viele Ursache für ihr Verhalten. Für Ihre Tochter war es eine sinnvolle Entscheidung - je mehr Sie diesen Sinn verstehen, desto ruhiger und vertrauensvoller könnten Sie werden.

Was brauchen Sie, um ruhiger zu werden?

Was kann Ihnen Sicherheit verschaffen? Ich könnte mir vorstellen, dass eine Verabredung mit Ihrer Tochter – monatlich einmal zehn Minuten zu telefonieren, Linderungen verschaffen könnte. Vielleicht würde es Ihnen auch etwas bessergehen, wenn ihre Tochter einen Kümmerer hätte – eine vertrauensvolle Person, die Zugang zu Ihrer Tochter hat und nach dem Rechten sieht. Vielleicht hilft Ihnen auch der Gedanke, dass ihre Tochter viele Stärken besitzt – wie dem Selbstbewußtsein, „ihr Leben allein zu schaffen“.
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Ich wünsche Ihnen alles Gute.[spacer height="5px"]
Bettina Kappe

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Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
Die Beratung von Psychologen Online per Videochat oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.


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Bettina Kappe ist systemische Theapeutin und Coach und lebt in Holzwickede bei Dortmund.
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Liebeskummer: Wie lasse ich die alte Beziehung hinter mir?

thehole, weiblich, 24 Jahre
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Hallo,

In den letzten fünf Jahre war ich in einer Beziehung mit einem über 20 Jahre älteren Mann: Es gab natürlich Höhen und Tiefen und oft wurde deutlich, dass unsere Leben nicht zusammen passten… Aber trotzdem kann ich mir im Moment kein Leben ohne ihn vorstellen. Wir haben uns bereits vor Monaten getrennt, jedoch bis vor drei Wochen keine Möglichkeit gehabt, uns auszusprechen. Nach der Trennung ging es mir gut, bekam ihn jedoch nicht aus meinem Kopf. Seit diesem Gespräch habe ich zwar Klarheit - weiss, dass es vorbei ist - trotzdem komme ich nicht damit klar.
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Zwar schaffe ich es im Moment mein Leben zu meistern, bin jedoch nicht leistungsfähig. Ich fühle mich innerlich wie tot und kann kaum Freude an Dingen finden. Natürlich hängt dies mit Liebeskummer zusammen, nur finde ich einfach keinen Ausweg aus dieser Abwärtsspirale. Die Beziehung hat mich als Menschen sehr geprägt. Da ich noch jung war als wir zusammenkamen, habe ich einen Sprung gemacht, was Beziehungen angeht, denke ich. Ich denke Männer in meinem Alter geben können die Dinge nicht geben, die ich in der Beziehung erlebt habe.
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Wie lenke ich mein Leben wieder in die richtigen Bahnen? Habt ihr Anregungen, wie es mir besser gehen kann oder woran es liegt, dass ich so krampfhaft festhalte?

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Antwort von Psychologen Online
Liebe Anfragende, für viele Menschen ist das Ende einer Beziehung schmerzvoll. Liebeskummer kann sich, ähnlich wie bei Ihnen, auch verzögert einstellen – wenn beispielsweise die Gewissheit über die Trennung da ist. Sie trauern um die vergangene Beziehung. Und das ist normal und auch gut so. Das zeigt auch, wie viel diese Beziehung Ihnen bedeutet hat. Liebeskummer ist also eine Art Wertschätzung für diese besondere Zeit. So hat die Trauer ihre Berechtigung und trägt auch etwas Schönes in sich.

Was können Sie gegen Liebeskummer tun?

Meiden Sie Kontakt, wenigstens für Erste: Die endgültige Trennung von einer nahestehenden Person kann emotionale Reaktionen wie bei einem Drogenentzug hervorrufen. Der geliebte Suchtstoff ist nicht mehr da und Körper und Geist müssen ab jetzt ohne ihn auskommen. Das kann schmerzhaft sein – „Liebeskummer“. Die Strategie liegt auf der Hand: nehmen Sie Abstand von der „Droge“. Wie macht man das am Besten? Das Wichtigste scheinen Sie bereits unternommen zu haben: Die Klärung, ob es eine endgültige Trennung ist oder nicht. Auch eine schlummernde Hoffnung kann den Schritt in die Zukunft hin zu etwas Neuem versperren. Durch Ihre Worte habe ich den Eindruck erhalten, dass Sie sich diese Frage beantwortet haben.

Schauen Sie auf die Vorteile und Gewinne der neuen Situation

Entdecken Sie Neues. Single zu sein, bedeutet auch neugewonne Zeit. In fünf Jahren Beziehung und einer selbstverständlichen Zweisamkeit stellt man sich nicht so oft die Frage: Auf was habe ich heute Lust? Stellen Sie sich die Frage, entdecken Sie neue Aktivitäten, Personen und Themen für sich. Sollten Sie gemeinsame Freundeskreise an die Beziehung erinnern, suchen Sie Kreise mit nur Ihren Bekannten auf. Am Anfang fällt das neue Kennenlernen von Ungewohnten und Unbekannten vielleicht noch schwer. Mit Jedem Schritt wird es jedoch leichter. Denken Sie daran: Je mehr ihrer wachen Zeit, Sie sich mit Neuem beschäftigen, desto weniger Zeit bleibt am Tag für das Alte. Erst wird es eine Stunde sein, in der Sie überrascht sind, nicht an die Beziehung gedacht zu haben. Bald ist es ein halber Tag ohne Liebeskummer. Irgendwann ist es dann ein ganzer Tag. Schritt für Schritt.
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Sie sagen, die Beziehung hat Ihnen gezeigt, dass Sie sich für Männer in Ihrem Alter nicht interessieren. Gut, dass Sie das für sich herausgefunden haben. Wenn Sie irgendwann wieder Lust verspüren, neue Männer kennenzulernen, wissen Sie schon was Sie wollen.
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Ich hoffe, dass Sie in meiner Antwort einige Anregungen haben finden können. Ich wünsche Ihnen alles Gute.[spacer height="5px"]
Petra Hellmann

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Petra Hellmann ist Paartherapeutin und Erzeihungsberaterin und lebt in Soest.
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Ich habe Angst vorm Autofahren, besonders allein auf Landstraßen…

Likretia, weiblich, 55 Jahre
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Hallo,

ich habe Angst vorm Autofahren, besonders allein Auto zu fahren. In der Stadt oder im Ort ist das kein Problem, aber außerorts auf Landstraßen. Diese Angst hält mich noch so gefangen, dass ich immer gefahren werden muss. Es fällt mir auch schwer alleine spazieren zu gehen. An öffentlichen Orten, zum Beispiel im Schwimmbad kann ich ohne Probleme alleine bleiben, auch zu Hause habe ich keine Angst. Ich muss dieses Angstgefühl endgültig loswerden und ich hoffe, dass es Wege auch ohne Medikamente gibt. Ich möchte diese Tür schließen und ein freies unbeschwertes Leben führen.
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Obwohl ich behütet aufgewachsen bin, war als Kind jedoch sehr oft in Krankenhaus. Bereits an der Tür wurde ich den Schwestern übergeben und sah meine Eltern dann oft wochenlang nicht. Als mein Vater vor 30 Jahren starb, nahm mich das sehr mit, es hat mich sozusagen entwurzelt. Noch eine Erinnerung zum Autofahren: Mit 21 Jahren wurde mit beim Autofahren mal schlecht. Meine Mutter sagte, "mit Dir fahre ich nie mehr", das habe ich nie vergessen. Macht das für Sie einen Sinn? Wie kann ich diese Angst besiegen?

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Antwort von Psychologen Online

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie haben die These geschildert, dass Ihre Ängste etwas mit den Krankenhausaufenthalten als Kind, alleine ohne Ihre Eltern, zu tun haben könnten. Diese schwierigen (und oft traumatischen) Erfahrungen können einen Einfluss auf Ihr Angsterleben haben, müssen aber nicht.

Angst vorm Autofahren: eine reale Gefahr?

Sie berichten neben der Angst vorm Autofahren, von mehreren anderen Situationen, in denen Sie Angst haben. Angst ist grundsätzlich erst einmal ein guter Hinweis für jeden von uns, dass eine Gefahr besteht und wir uns aufmerksam und vorsichtig verhalten sollten. Manchmal verselbständigt sich die Angst jedoch und wird in Situationen erlebt, in der keine reale Gefahr besteht, dann wird häufig etwas "Älteres" aktiviert, was mit der realen Situation nur latent zu tun hat. Wie ist es bei Ihnen – können Sie beschreiben, was Ihnen in der jeweiligen Situation Angst bereitet? Oder geht es bei Ihnen eher um den "Zwang" tendenziell belastende Situationen immer wieder erneut zu erleben- eine immerwährende Wiederholung? Ob es sich bei Ihnen eher um eine Angststörung oder um eine posttraumatische Belastungsstörung oder noch um etwas anderes geht, kann ich von hier aus mit den wenigen Informationen von Ihnen nicht entscheiden.

Angstsituationen zu vermeiden, kann die Angst festigen

Wichtig aber ist: Sie können etwas tun! Und Sie haben -indem Sie uns schrieben- bereits den ersten Schritt getan, um die ängstigenden Situationen zu integrieren, also anzunehmen als das was sie sind. Und der Weg der Integration ist der Weg der Heilung, während Ihr Wunsch "die Tür zu schließen" mich eher an Vermeidung denken lässt UND das entlastet eventuell kurzfristig führt aber langfristig dazu, dass das belastende "Material" verdrängt im Untergrund weiter rumort und Sie nicht in Ruhe lässt.

Techniken gegen Angst vorm Autofahren

Wenn es um eine Angststörung gehen sollte: Angststörungen kommen häufig vor und lassen sich mit Hilfe von Experten gut behandeln. In einer Psychotherapie können mehrere Ansätze verfolgt werden. Mit Entspannungsverfahren lernen Sie, Ihren Körper aktiv zu beeinflussen und die starke körperliche Anspannung, die mit den Ängsten einhergeht, frühzeitig zu erkennen und zu senken. Zu den wichtigsten Entspannungsverfahren gehören Atemübungen, die progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson und autogenes Training. Auch die Klopftechnik EFT, die sogenannte Emotional Freedom Techniques, ist gerade bei Ängsten gut einsetzbar.[spacer height="5px"]
Ein weiterer Ansatz ist, sich die eigenen Ressourcen genauer anzusehen. So haben Sie in Ihrer Vergangenheit bereits viele Angst-Situationen bewältigt. In manchen Situationen war es schwieriger, in anderen Situationen gelang es Ihnen leichter. Was können Sie aus diesen Erfahrungen lernen und zukünftig anwenden? Was hilft Ihnen, was stärkt sie? Welche Unterstützung können Sie sich organisieren? Beobachten Sie, was Ihnen Sicherheit gibt, was in diesen Situationen anders ist. Dieses Wissen können Sie nutzen und die „vertrauten“ Situationen nach und nach ausweiten. Es böte sich auch an, jemanden Ihres Vertrauens zu bitten, mit Ihnen für Sie schwierige (Verkehrs-)situationen zu üben.[spacer height="5px"]
Wenn es um die Bearbeitung von traumatisch erlebten Situationen geht, dann bietet sich eine traumaorientierte Psychotherapie an. Auch traumaverarbeitende Techniken wie EMDR oder Brainspotting sind Ansätze, die häufig relativ schnell Entlastung bringen können.

Professionelle Unterstützung suchen

Für eine gute Begleitung gibt es sicher auch in ihrer Nähe therapeutische Hilfe, die Sie abseits von medikamentöser Behandlung unterstützt, Ihren Handlungsspielraum zu erweitern und eine neue Lebensqualität zu erreichen. Sprechen Sie dafür mit Ihrem Hausarzt über Ihre Angst vorm Autofahren und lassen sich dazu beraten oder suchen Sie kassenzugelassene Psychotherapeut*innen Ihrer Wahl für eine kostenlose Erstberatung auf. Auch auf Angst oder Trauma spezialisierte psychotherapeutisch arbeitende Kolleg*innen können eine gute erste Wahl sein.[spacer height="5px"]
Alles Gute für Sie! Viele Grüße,
Ines Walter

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Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
Die Beratung von Psychologen Online per Videochat oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.


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Ines Walter ist Gestalttherapeutin und lebt in Berlin.
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Meine Psychotherapie bringt nichts: Was kann ich tun?

Alexa, weiblich, 22 Jahre
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Hallo,

es fühlt sich an als ob, mir niemand helfen kann. Zwar war ich bereits bei einigen Therapeuten und auch in stationärer Behandlung, doch wirkliche Besserung ist nicht entstanden. Ich sehe der Zukunft sehr mutlos entgegen. Ich hab das Gefühl, meine Psychotherapie bringt nichts. Vielleicht könnte ich an einem anderen Ort eine passendere Therapie oder einen passenden Psychotherapeuten finden. Aber das Geld ist knapp.
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Ich fühle mich gefangen und alleine gelassen. Immer wieder wird gesagt, ich müsse mir selber helfen - was mich umsomehr belastet. Ich werde wieder einen Anlauf machen, diesmal nach einer Selbsthilfegruppe suchen. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich nicht daran, dass es mir helfen wird. Mit meinem Therapeuten geht es nie um Bewältigungsstragien oder der Gleichen - ich rede 50 Minuten und dann darf ich wieder gehen und versuchen die Tage mit Medikamenten bis zur nächsten Sitzung zu überstehen.[spacer height="5px"]
Ich wäre gerne ein froher und offener Mensch, der Selbstentfaltung und Selbstannahme praktiziert und glücklich ist.
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Antwort von Psychologen Online

Liebe Alexa, vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich verstehe Sie so, dass Sie sich im Moment allein und hilflos fühlen – und auch ein ganzes Stück enttäuscht. Denn Sie haben sich schon häufiger auf den Weg gemacht, um Hilfe für Ihre seelischen Probleme zu finden und bisher haben Sie nicht den Eindruck, dass es für Sie besser wurde. Das ist mit der Zeit auch frustrierend.[spacer height="5px"]
Aus Ihrer Beschreibung erkenne ich wichtige persönliche Stärke von Ihnen: Sie versuchen es immer wieder, probieren verschiedene Möglichkeiten aus, bleiben dran und geben nicht auf – auch wenn es Ihnen schwerfällt. Das ist eine gute Voraussetzung dafür, dass Sie doch Impulse oder Angebote für sich finden, die passen und hilfreich sind!

Was bringt der Austausch in einer Selbsthilfegruppe?


Sie haben vor, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Meiner beruflichen Erfahrung nach erleben viele Menschen diesen Austausch tatsächlich als sehr bereichernd. Es kann gut sein, dass Ihnen im Moment Anregungen, Tipps oder einfach das Verständnis von Betroffenen mehr gibt als ein professionelles therapeutisches Angebot. Das ist einen Versuch wert!

Sie fühlen, Ihre Psychotherapie bringt nichts

Zudem schreiben sie, dass Sie mit Ihrer Therapie unzufrieden sind. Gleich eine passende Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten finden, ist angesichts verschiedener Beratungsansätze und Persönlichkeiten nicht selbstverständlich. Sie sollten mit Ihrem Therapeuten darüber sprechen. Sie schreiben, ihre Psychotherapie bringt nichts. Das ist eine wertvolle Information für Ihren Psychotherapeuten. Schildern Sie Ihre Empfindungen und vor allem Ihre Wünsche an den Beratungsprozess. Nur wenn Sie Ihren Therapeuten wissen lassen, was Sie brauchen, kann er die Therapie darauf einstellen oder Ihnen eine andere Therapieform empfehlen.
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Es ist berührend, wie Sie äußern, dass Sie ein anderer Mensch sein möchten – froh und offen in einem anderen, besseren Leben. Die meisten Menschen wünschen sich manchmal, anders zu sein. Ich denke, eine der wichtigsten Herausforderung im Leben ist, letztendlich zu akzeptieren, wer und wie wir sind. Sie haben gute Gründe, so geworden zu sein, wie Sie heute sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Stück für Stück mehr annehmen können – auch mit den leidvollen, schweren Seiten. Wenn Sie das schaffen, wird es für Sie bestimmt auch möglich, schöne, positive Dinge in Ihrem Leben und an sich selbst zu entdecken.
Alles Gute für Sie! Viele Grüße,
Nora Thiemann
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Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
Die Beratung von Psychologen Online per Videochat oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.


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Nora Thiemann ist systemische Therapeutin und lebt in Berlin.
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