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Bisexueller Partner und Untreue: muss ich das akzeptieren?

Bisexueller Partner

Meme, 35 Jahre:

Hallo, ich bin vor 5 Jahren mit meinem bisexuellen Partner zusammen gekommen. Wir versuchten eine offene Beziehung, weil er das starke Bedürfnis nach Männern hatte. Ich konnte seine Außenbeziehungen jedoch nicht aushalten und so hat er sich versucht, zurückzunehmen. Bei mir hat das eine Art Kontrollzwang hervorgerufen - aus Angst, er könnte trotzdem fremdgehen und mir verheimlichen. Das hat sich leider auch bestätigt.

"als bisexueller Partner sei seine Untreue nur körperlicher Natur - ich will trotzdem mein Exklusivrecht auf ihn"

Im dritten Jahr bin ich tödlich erkrankt und hab überlebt. Im 4. Jahr habe ich unerwartet einen Sohn auf die Welt gebracht. Seit der Schwangerschaft leben wir getrennt, weil ich mit allem nicht mehr umgehen konnte und er keine Prioritäten setzen konnte, wie eine feste Arbeit etc.

Ich dachte das Abstand, Nähe schaffen könnte. Stattdessen ist alles nur schlimmer geworden und die Konflikte wegen unserem Sohn noch grösser. Jetzt sitze ich hier, eigentlich alleinerziehend, mit Angst und Wut im Bauch, dem Bedürfnis nach Kontrolle und einer riesen Trauer und weiss nicht, was ich tun soll. Im Grunde liebe ich ihn und wäre gerne "offener" der Beziehungsform gegenüber, da ich weiss, dass seine Untreue nur körperlicher Natur wäre. Andererseits will ich trotz eines bisexuellen Partner mein Exklusivrecht.

Manchmal will ich auch einfach nur, dass ich diese Gefühle von Trauer, Wut und Liebeskummer nicht mehr am Hals habe. Ich stelle mir eine Beziehung und einen Mann vor, der mir Halt und Stabilität gibt. Ich bin verzweifelt, weil sich in meinem Kopf alles darum dreht. Er lässt sich nicht verändern und gleichzeitig vermisse ich ihn. Es ist ein Teufelskreis.

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Antwort von Psychologen Online


Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich werde in meiner Antwort ein paar Fragen formulieren, die mir beim Lesen gekommen sind. Ich bin überzeugt, dass Sie darauf die richtigen, also Ihre Antworten als Frau und Mutter finden können.

Zu Ihrer Beziehung: mir stellt sich beim Lesen die Frage, ob Ihr Partner an einer Beziehung interessiert ist und inwiefern Sie beide bereit sind, daran zu arbeiten, dass es allen Beteiligten gemeinsam besser geht.

Sollten Sie und Ihr Partner an Ihrer Beziehung arbeiten wollen, wäre es möglich, gemeinsam mit einer außenstehenden Person, vielleicht in einer Paarberatung, die letzten Jahre zu reflektieren und Ecksteine für eine gemeinsame Zukunft zu besprechen.

Wie kann der Liebeskummer abnehmen?

Wenn Sie sich dafür entscheiden, die Partnerschaft aufzugeben, kann es in der ersten Zeit sinnvoll sein, sich von Ihrem Ex-Partner bewußt abzugrenzen. Das heißt, so wenig Kontakt wie möglich. So gewinnen Sie emotionalen Abstand. Nach und nach werden Sie wahrscheinlich weniger an ihn denken und ihn weniger vermissen. Wie könnte der Kontakt auf ein Minimum und auf die Elternrolle begrenzt werden? Was erinnern Sie an Ihren Partner im Alltag, in der Wohnung? Auch Bekannte und Freunde können bei Abstand schaffen helfen – sie lenken ab und verringern das Gefühl von Alleinsein. Wie viele liebe Menschen haben Sie um sich? Versuchen Sie, Ihre sozialen Kontakte zu aktivieren, auch wenn Sie die Person vielleicht schon lange nicht mehr angerufen haben. Organisieren Sie sich vielleicht stundenweise eine Kinderbetreuung, um Freiräume für sich zu schaffen. Überlegen Sie, wie Sie sich kleine Highlights setzen und daran arbeiten können, dass es Ihnen selbst gut geht. Sie dürfen es sich gut gehen lassen - auch ohne Partner.

Bisexueller Partner: Dürfen Sie Treue erwarten?

Beim Thema „Treue“ stellen sich mir ebenfalls ein paar Fragen. Sie haben seine bisexuelle Orientierung besonders betont. Glauben Sie, dass Ihr Freund durch seine sexuelle Orientierung aus mehr Recht auf Untreue als Sie selbst oder als heterosexuelle Männer hat? Hat ein bisexueller Partner einen Bonus? Immerhin fühlen sich auch heterosexuelle Männer in Beziehung zu anderen Frauen hingezogen. Auch ständig betrogene Partner/innen sind keine Seltenheit. Ist Treue relativ? Was ist für Sie dabei akzeptabel, was nicht? Warum ist Ihnen der Exklusivanspruch auf Ihren Partner so wichtig? Was erhoffen Sie emotional von ihm zu bekommen, was Sie selber möglicherweise gerne in sich haben würden?
Dies sind Fragen für Ihre eigene persönliche Entwicklung, die sehr wichtig ist, um in einer Partnerschaft emotional eigenständig zu sein und auch ohne Partner ein gutes Leben führen zu können.

Was gibt Ihnen bereits Stabilität?

Neben den Bedürfnissen Ihres Partners, haben Sie auch Ihr Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit deutlich gemacht. Neben einer Partnerschaft, welche Faktoren in Ihrem Leben geben Ihnen sonst Halt? Was würden Sie mit sich und Ihrem Leben anfangen, wenn Ihr Partner nicht mehr existieren würde oder von sich aus den Kontakt abbrechen würde? Mal angenommen, Ihre Bedürfnis nach Sicherheit wäre dann noch immer vorhanden, nur ist leider der Mann verschwunden. Wie können Sie dennoch Halt gewinnen? Sie haben eine schwere Krankheit überlebt. Wo haben Sie die Kraft hergenommen, das zu schaffen? Wer hat Sie unterstützt und Ihnen Halt gegeben? Grad in solchen schweren Zeit werden unsere Stärken und guten Ressourcen gehoben. Das können innere Stärken sein oder auch gute Kräfte von außen wie Freunde oder Familie. Was sind Ihre, die Sie auch heute nutzen können?

Das Beste für Ihr Kind

Eine wichtige Perspektive, finde ich, ist noch unerwähnt geblieben. Versuchen Sie die aktuelle Situation zwischen Ihnen und Ihrem Partner einmal aus anderer Sicht zu betrachten – aus der Sicht Ihres Kindes. Was braucht Ihr Kind eigentlich? Wie erlebt Ihr gemeinsamer Sohn die Konflikte in der Beziehung der Eltern? Mal angenommen, er könnte sich ausdrücken und selbst entscheiden, was würde er sagen? Eventuell macht auch Unterstützung für Sie als Mutter Sinn? Bei einem Besuch beim Jugendamt können Sie sich beraten lassen – es gibt viele staatliche Angebote, die Ihnen als Alleinerziehende Unterstützung und Orientierung bieten können.

Ich hoffe, Ihnen etwas dabei geholfen zu haben, klarer in Kopf und Herz zu werden, und dass Sie nun einige Wege sehen, Ihre Situation zu verändern und für sich stimmiger zu gestalten.

  • Dr. Matthias Rudlof ist Psychologe, systemischer Coach und lebt in Dresden.

    Dr. Matthias Rudlof
  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
    Die Beratung von Psychologen Online per Videotelefonie oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.


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