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Ständig Streit in der Beziehung


David, 36 Jahre:

Hallo Psychologen-Online,
meine Frau und ich sind seit acht Jahren zusammen und seit zwei Jahren verheiratet. Wir sind glücklich und planen Kinder. Ich habe das Gefühl, die Richtige gefunden zu haben. Trotzdem gibt es auch Baustellen – wie vielleicht in jeder Beziehung. Meine größte Sorge dreht sich darum, dass wir viel streiten. Irgendwie gehörte Streit in der Beziehung für uns immer dazu. Oft ist jedoch sehr belastend. Ich bin eher der ruhige Typ, sie kann sehr laut und aufbrausend werden. Wenn sie sich richtig ärgert, kann sie so wild und laut werden, dass ich nicht mehr an Sie herankommen. Ende schreien wir beiden uns gegenseitig an und werfen uns Dinge – Vorwürfe, Anschuldigen und so weiter an den Kopf, die verletzen und niemand von uns wirklich so meint. Bei großen Streitereien braucht es Tage bis wir wieder zueinander finden und bei mir das drückende Gefühl im Bauch weg ist.

Warum schreibe ich? Ich würde gern weniger mit meiner Frau streiten. Denn obwohl wir eine gute und nahe Beziehung haben, befürchtet ich das die Art wie wir manchmal miteinander streiten, mit der Zeit Schaden anrichten wird. Auch ich habe schon bemerkt, dass die Grenzen mehr und mehr ausgedehnt werden. Was Sie heute im Streit zu mir sagt, hätte Sie vor fünf Jahren noch nicht gesagt.
Wie können wir besser aufeinander aufpassen? Vielen Dank für Ihren Rat.

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Antwort von Psychologen Online

Lieber David,
eskalierender Streit in der Beziehung – also sich von den Emotionen tragen zu lassen - ist eines der häufigsten Themen in der Paarberatungen. Meist geht es dabei nicht unbedingt darum, weniger, sondern besser miteinander zu streiten. Wenn es ständig Streit in der Beziehung gibt, sollte man jedoch auch über die Gründe nachdenken. Gibt es sich wiederholende Themen, müssen diese besprochen und bearbeitet werden. Was sind Ihre sensiblen Streitthemen? Was regt Sie auf oder lässt ein Gefühl der Ungerechtigkeit entstehen?

richtig streiten, statt den Streit in der Beziehung zu vermeiden

In der konkreten Streitsituation ist es wichtig, trotzdem weiterhin respektvoll miteinander umzugehen. In Paarberatungen geht es oft um konkrete Techniken, wie die heiße Streitphase besser kontrolliert werden kann. Sprechen Sie mit Ihrer Frau über das Thema „Wie wollen wir streiten“. Eine Anregung wäre, immer erstmal bis zehn zu zählen, bevor man antwortet. Insgesamt kann es sehr helfen, sich genügend Zeit und Raum zu lassen, um sich zu beruhigen. Inhaltliche Themen dürfen erst dann wieder angegangen werden, wenn beide wieder auf einer respektvollen, rationalen Ebene kommunizieren können – nach dem Motto „Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist“. Wenn es doch gleich wieder hoch her geht, wird abermals eine Pause eingelegt. Nach einer Zeit tritt ein Trainingseffekt ein.

Eine weitere Option wäre, klar die eigenen Grenzen zu ziehen. Ab wann ist ein Streit für Sie nicht mehr konstruktiv, sondern unangenehm? Was könnte ein gemeinsames Zeichen sein, wenn es einer Partei zu viel wird? Wie können Sie und Ihre Frau sich in solchen Momenten wieder beruhigen und herunter regeln? Was hat bisher geholfen?

Beachten Sie auch die Gesprächsregeln

Dazu gehört neben einem aufmerksamen Zuhören auch, den Partner ausreden zu lassen und die eigene Sicht der Dinge erst danach hinzuzufügen. Damit der Partner nicht gleich das Gefühl hat, in Verteidigungshaltung gehen zu müssen, sind Ich-Botschaften sehr zu empfehlen. „Du machst das nur, weil“ ist schwer zu ertragen, als „Ich fühle“ oder „ich denke“. Warum? Damit betonen Sie IHRE Sicht auf die Dinge und und kennen andere Interpretationen und Gefühlslagen Ihres Partners als mögliche Wahrheit an.

Vermeiden Sie Pauschalisierungen, besser sind konkrete Beispiele. Ihr Partner trägt den Müll nicht NIE runter, nur, weil er es heute vergessen hat. Und gestern. Und vorgestern. Aber vorvorgestern hat er ihn runtergetragen. Also, niemals nie sagen.

Hier haben sich zwar nur Sie um Rat und Unterstützung bemüht, aber vielleicht leidet Ihre Frau ebenfalls unter der Situation? Falls ja, böte es sich an, eine externe Beratung in Anspruch zu nehmen. Im Beisein einer dritten Person können sensible Themen moderierter besprochen werden, die Hemmung ist großer, ausfallend zu werden oder sich mit seinen Gefühlen gehen zu lassen. Zudem haben Sie eine objektive Perspektive auf die Thematik.

Ich wünsche Ihnen Beiden gutes Üben beim besseren Streiten

  • Klemens Lühr ist Psychologe, systemischer Berater und Coach und lebt in Dortmund.

  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
    Die Beratung von Psychologen Online per Videotelefonie oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.


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