Lichterkette, weiblich, 26 Jahre
Was sich in diesen zwei Wochen bei meinem Vater zugetragen hat, weiß ich nicht. Danach sah ich ihn nur noch selten, da meine Mutter mit mir ins Ausland zog und den Kontakt abrupt abbrach. Solche Umbrüche – Trennung, Ortswechsel und Verlust vertrauter Bezugspersonen – können bei Kindern innere Unsicherheit auslösen, die sich später in Form von Ängsten oder Schutzmechanismen zeigen.
„Ich habe manche Ticks, vielleicht auch Zwänge und Ängste, die ich nicht einordnen kann. Sollte ich diesen Zusammenhängen weiter nachgehen?“
In den darauffolgenden Jahren verhielt ich mich zeitweise sexuell auffällig, was später wieder aufhörte. Meine Mutter war fürsorglich, teilweise überfürsorglich. Heute empfinde ich mich als sensiblen, selbstbewussten und ausgeglichenen Menschen, der sein Leben aktiv gestaltet.
Gleichzeitig gibt es Verhaltensweisen, die mich begleiten: Ich ekle mich vor „Menschlichem“, vermeide es etwa, ausgeatmete Luft einzuatmen oder öffentliche Gegenstände anzufassen. Manche dieser Reaktionen erinnern an leichte Zwangstendenzen, die viele Menschen kennen, ohne dass sie den Alltag stark beeinträchtigen.
Ich frage mich, ob es einen Zusammenhang zwischen frühen Kindheitserfahrungen und heutigen Ängsten oder Ticks geben kann – und ob es sinnvoll ist, diesen Zusammenhang besser zu verstehen.
Antwort von Psychologen Online
Liebe Unbekannte, Sie beschreiben sich als sensiblen, reflektierten und insgesamt zufriedenen Menschen. Sie leben in einer Beziehung, gestalten Ihren Alltag aktiv und fühlen sich weitgehend stabil.
Vor diesem Hintergrund sprechen Ihre Schilderungen nicht dafür, dass Sie heute unter einer schweren Traumafolgestörung leiden. Viele Menschen erleben belastende Situationen in der Kindheit und entwickeln dennoch gesunde Bewältigungsstrategien.
Dass Sie bestimmte Ängste oder sicherheitsbezogene Verhaltensweisen entwickelt haben, kann auch mit einer ausgeprägten Sensibilität zusammenhängen. Manche Menschen berichten dabei von einer Angst vor der Angst, die eher subtil im Hintergrund wirkt.
Frühe Sprachlosigkeit und Rückzug in der Kindheit
Auffällig ist, dass Sie über einen längeren Zeitraum nicht gesprochen und keinen Kontakt zugelassen haben. Solche Reaktionen können bei sehr sensiblen Kindern auftreten, wenn sie sich stark überfordert oder unsicher fühlen.
Kinder reagieren auf Belastungen sehr unterschiedlich: Manche klammern, andere werden still oder ziehen sich zurück. Diese Reaktionen sind nicht ungewöhnlich und müssen nicht zwangsläufig auf ein einzelnes traumatisches Ereignis hinweisen.
Heute mit sich selbst im Reinen
Entscheidend ist, dass Sie Ihr heutiges Leben als stimmig erleben und Ihre Besonderheiten Sie kaum einschränken. Viele Menschen leben mit kleinen Ängsten, Zwängen oder Ticks, ohne dass diese behandlungsbedürftig sind.
Wenn Sie dennoch neugierig sind und sich selbst besser verstehen möchten, kann eine begleitende Beratung helfen, Zusammenhänge einzuordnen – ohne dass zwingend eine intensive Aufarbeitung der gesamten Lebensgeschichte nötig ist. Erfahrene Psychologen können Sie dabei unterstützen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin einen achtsamen und guten Umgang mit sich selbst.



