• 24-Stunden-Hotline zur Terminvergabe
  • 0800 - 724 33 11
Menü

Tochter nimmt Drogen und hat Ausbildung abgebrochen

tochter nimmt drogen

Diana00, weiblich, Alter unbekannt

Liebes Team, meine 17-jährige Tochter war früher motiviert, hilfsbereit und sehr intelligent. Mit einer Mittleren Reife von 1,3 hat sie sofort eine Ausbildungsstelle bekommen. Doch dann kam der erste Schock: Sie brach ihre Ausbildung ab, ohne dass wir den genauen Grund kannten. Inzwischen hat sie bereits ihre dritte Ausbildung abgebrochen. Zwar ist anfangs oft Motivation erkennbar, diese bricht jedoch nach wenigen Wochen wieder ein.

„Diana konsumiert Koks, Speed, Hash, Cannabis und Ecstasy. Eine Freundin hat mir berichtet, auch ihre Tochter nimmt Drogen. Ist das heutzutage normal?“

Neu und sehr beunruhigend für mich ist die Erkenntnis, dass meine Tochter Drogen konsumiert. Seit etwa drei Monaten habe ich bemerkt, dass sie Cannabis raucht. Als ich sie darauf ansprach, reagierte sie abweisend und zündete sich demonstrativ einen Joint an. Auch Freunde berichten, dass sie regelmäßig verschiedene Substanzen konsumiert. Diese Entwicklung macht mir große Sorgen.

Vor einigen Tagen kam sie sehr verzweifelt zu mir, weinte und sprach über ihre Angst vor der Zukunft und sogar über Angst vor dem Tod. Ich fühle mich zunehmend hilflos und frage mich, wie ich ihr helfen kann, wenn sie selbst keine Hilfe annehmen möchte.

Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende, vielen Dank für Ihre offene Schilderung. Als Mutter erleben Sie derzeit eine sehr belastende Situation. Es ist schmerzhaft zu sehen, wie das eigene Kind leidet und scheinbar immer weiter den Halt verliert.

Gleichzeitig ist es ein wichtiges Zeichen, dass Ihre Tochter sich Ihnen in einzelnen Momenten anvertraut und über ihre Ängste spricht. Viele Jugendliche ziehen sich zeitweise zurück, um ihre Eltern zu schützen oder weil sie sich für ihre Probleme schämen.

Gerade für Angehörige psychisch belasteter junger Menschen ist diese Gratwanderung zwischen Nähe und Ohnmacht besonders herausfordernd.

Belastende Themen sind häufig mit Scham verbunden. Gespräche über Gefühle können für Jugendliche sehr anstrengend sein, insbesondere wenn sie selbst keine Lösungen sehen. Manchmal fällt es jungen Menschen leichter, sich einer außenstehenden Person anzuvertrauen – etwa einer Freundin, einer Verwandten oder einem Lehrer.

Ihr fortwährendes Angebot, für Gespräche da zu sein, bleibt dennoch wichtig. Auch wenn Ihre Tochter dieses Angebot nur gelegentlich annimmt, vermitteln Sie damit Verlässlichkeit und Halt.

Schule, Ausbildung, Selbstständigkeit

Sie beschreiben einen deutlichen Einschnitt im Verhalten Ihrer Tochter innerhalb kurzer Zeit. Solche Veränderungen treten häufig in Übergangsphasen auf. Der Wechsel von Schule zu Ausbildung oder Studium ist für viele junge Menschen mit hohem Entscheidungsdruck verbunden.

Diese Lebensphase kann als Entwicklungskrise erlebt werden: Orientierung fehlt, Selbstzweifel nehmen zu und Zukunftsvorstellungen wirken überfordernd. In solchen Situationen zeigen sich bei manchen Jugendlichen Rückzug, Antriebslosigkeit oder riskantes Verhalten.

Ihre Tochter nimmt Drogen: Wie gehen Sie damit um?

Wichtig ist, dass Sie klar benennen, dass Sie den Drogenkonsum nicht akzeptieren. Nicht ausgesprochene Grenzen können ungewollt als Duldung verstanden werden. Gleichzeitig ist es hilfreich, ruhig zu bleiben und Eskalationen zu vermeiden.

Sollte Ihr Einfluss aktuell nicht ausreichen, kann es sinnvoll sein, weitere Bezugspersonen einzubeziehen. Zudem können Sie sich selbst professionell beraten lassen – auch unabhängig davon, ob Ihre Tochter bereits Hilfe annimmt.

Informationen und erste Orientierung bietet auch die externe Plattform www.drugcom.de. Dort finden sich sachliche Informationen zu verschiedenen Substanzen sowie anonyme Beratungsangebote.

Ich hoffe, Sie konnten aus diesen Anregungen neue Impulse mitnehmen.

  • Klemens Lühr ist Psychologe, systemischer Berater und Coach und lebt in Dortmund.

  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
    Die Beratung von Psychologen Online per Videotelefonie oder Telefon ist kostenpflichtig. Sollten Sie ein kostenfreies Beratungsangebot suchen, können Sie sich zum Beispiel an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 wenden.