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Gefühle für Kollegin: Nur sorgend oder vielleicht mehr?

gefühle für kollegin

themagreto, männlich, 21 Jahre

Guten Tag, liebes Psychologen-Team und liebe Leser,

ich wende mich mit einer Situation an Sie, die mich seit einiger Zeit stark beschäftigt und emotional nicht loslässt. Es geht um eine Mitarbeiterin, die mir sehr wichtig geworden ist und deren private Beziehung aus meiner Sicht zunehmend von Kontrolle, Einschränkung und mangelnder Wertschätzung geprägt ist.

Sie befindet sich seit fast zehn Jahren in einer festen Partnerschaft. Beide waren sehr jung, als sie zusammenkamen. Im Laufe der Jahre haben sich feste Regeln entwickelt, die ihr Leben stark einschränken. Themen wie Grenzen setzen, persönliche Freiheit und Selbstbestimmung spielen dabei aus meiner Sicht kaum noch eine Rolle.

So feiert sie seit Jahren keinen Geburtstag mehr, geht nicht ins Kino, trifft sich kaum mit anderen Menschen und verbringt ihre Freizeit überwiegend zu Hause. Sie beschreibt ihren Partner häufig abwertend und berichtet immer wieder, wie unglücklich und eingeengt sie sich fühlt. Für mich wirkt es, als befände sie sich dauerhaft in einem Zustand von innerem Konflikt in der Beziehung, ohne einen Ausweg zu sehen.

„Ich werde keine Ruhe haben, bis ich sie wieder lächelnd sehe und sie glücklich nach Hause gehen darf.“

Gleichzeitig sagt sie, dass sie diese Situation akzeptiert habe, „weil es nun einmal so ist“. Dennoch fällt mir auf, wie häufig sie von ihrem Unglücklichsein spricht. Außerhalb der Arbeit darf sie keinen Kontakt zu mir haben. Selbst schriftlicher Austausch ist laut ihrem Partner eigentlich unerwünscht.

Diese Dynamik erinnert mich an Beziehungsmuster, in denen sich ein Mensch zunehmend zurückzieht und an Selbstvertrauen verliert. Gedanken über Vertrauen, emotionale Abhängigkeit und fehlende Autonomie drängen sich mir dabei auf.

Mir fällt es sehr schwer, diese Situation auszuhalten. Ich frage mich, ob das noch normale Beziehungsregeln sind oder ob hier Kontrolle und psychischer Druck vorliegen. Gleichzeitig bin ich unsicher, welche Rolle ich selbst einnehmen darf, ohne berufliche oder persönliche Grenzen zu überschreiten.

Antwort von Psychologen Online

Lieber Anfragender, Sie schildern eine Beziehungskonstellation, die Sie als ungerecht, einengend und belastend erleben. Es ist nachvollziehbar, dass Sie das Unglück Ihrer Mitarbeiterin berührt und in Ihnen den Wunsch auslöst, sie zu schützen oder zu unterstützen.

Gleichzeitig ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass Veränderungen in Beziehungen nur dann möglich sind, wenn die betroffene Person selbst dazu bereit ist. Auch wenn Außenstehende großes Leid wahrnehmen, können sie keine Entscheidung erzwingen.

In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich mit Themen wie Grenzen setzen und dem respektvollen Umgang mit Nähe und Distanz auseinanderzusetzen.

Falls Ihre Mitarbeiterin selbst beginnt, über Veränderungen nachzudenken, kann es sinnvoll sein, ihr behutsam aufzuzeigen, dass es unabhängige Beratungsstellen gibt. Lebensberatungsstellen oder Paarberatungen arbeiten ergebnisoffen und können helfen, eingefahrene Beziehungsmuster zu hinterfragen.

Manchmal zeigt sich in solchen Prozessen auch, dass eine Trennung langfristig der gesündere Weg ist. Informationen zum Umgang mit solchen Situationen finden sich auch beim Thema Neuanfang nach Trennung.

Eigene Rolle und Verantwortung reflektieren

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Ihre eigene Rolle. Unabhängig davon, ob Sie Kollege oder Vorgesetzter sind, bewegen Sie sich in einem sensiblen Spannungsfeld zwischen Mitgefühl, Verantwortung und beruflicher Distanz.

Es kann hilfreich sein, die eigenen Motive zu reflektieren: Was genau treibt Sie an, helfen zu wollen? Wo liegen Ihre Grenzen? Unterstützung dabei kann auch eine professionelle Reflexion bieten, etwa im Rahmen eines Coachings oder Beratungsgesprächs.

Ich wünsche Ihnen Klarheit im Umgang mit dieser Situation und einen guten, achtsamen Weg.