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HILFE BEI HEIMWEH


Weit entfernt von seinen Lieben und der vertrauten Umgebung zu sein - als Reisender, Expat oder gar Auswanderer - kann Heimweh hervorrufen. Hier zeigen wir Ihnen, was es mit diesem schmerzlichen Gefühl auf sich hat und schlagen Tipps für einen guten Umgang damit vor.



„Ich hatte mich so auf meine Arbeit in der Grundschule und die Reisen gefreut. Jetzt sitze ich nur herum, meine Familie und Freunde von zu Hause fehlen mir so sehr.“ - Teilnehmerin eines Freiwilligendienstes in Nicaragua
Menschen, die länger um Ausland arbeiten oder leben, lassen meist Familie, Freunde, die bekannte Umgebung oder liebgewonnenen Gewohnheiten zurück. Dann kann ein Gefühl des Heimwehs auftreten - diese schmerzliche Sehnsucht nach der Geborgenheit des Gewohnten, des Bekannten. Es ist gerichtet auf den Ort, den man als seine Heimat oder sein zu Hause bezeichnet, was immer das auch für den Einzelnen sein mag. Was fehlt, ist das Vertraute, das einem Sicherheit gibt, eine Selbstverständlichkeit des Verhaltens, Redens, der Kommunikation oder der kulturellen Werte.

Heimweh kann viele Auslöser haben (Quelle: Elke Maurer):

Wenn in der neuen Umgebung die Neugier und Euphorie abnehmen und vielleicht Schwierigkeiten auftreten (s. auch Abschnitt „Endlich angekommen“)

Wenn plötzlich etwas Vertrautes auftaucht – ein von früher bekanntes Lied, ein Geruch, wenn wir jemanden in unserer Sprache sprechen hören – all dies kann die Erinnerung an zu Hause wachrufen und Heimweh aufkommen lassen.

Wenn der Trubel des Alltags nachlässt und wir zur Ruhe kommen. Dies kann vor allem abends der Fall sein.

Wenn es uns nicht gut geht und wir uns einsam oder traurig fühlen oder wenn wir krank sind.

Zu besonderen Anlässen, wie Feier- oder Festtagen, an denen wir es gewohnt sind mit Familie oder Freunden zusammen zu sein und bestimmte Traditionen oder Rituale gewohnt sind.

Mal ein Gefühl von Heimweh zu bekommen, ist ganz normal und verschwindet nach einiger Zeit ganz von selbst. Wenn es jedoch Wochen oder Monate anhält und einen großen Leidensdruck erzeugt, sollte man unter Umständen professionelle Hilfe durch einen Arzt oder Psychologen aufsuchen. Es kann auch geklärt werden, ob vielleicht eine Depression dahinter steckt.

Heimweh kann viele Auslöser haben:

Heimweh zeigt sich in ganz unterschiedlichen Symptomen und Zuständen, z.B. (Quelle: Marion Sonnenmoser):
• Kopfschmerzen und andere Schmerzen, Appetitverlust, Schlafstörungen
• Grübeln, Konzentrationsprobleme, Desinteresse
• sozialer Rückzug, Einsamkeit, Passivität
• Trauer, Kummer, Wut, Gereiztheit, Aggressivität, Niedergeschlagenheit, Verbitterung, Sehnsucht
• Unzufriedenheit, Enttäuschung
• wenig Energie, Hoffnungslosigkeit
• Gefühle des Entwurzelt-Seins, des Verloren-Seins und des Nicht-dazu-Gehörens
• Flucht- und Rückkehrpläne
• Depressionen, Selbstmordgedanken


Viele Menschen versuchen instinktiv mit Heimweh umzugehen, in dem sie zum Beispiel ständig mit „Zu Hause“ telefonieren oder skypen. Aus psychologischer Sicht kann dies das Heimweh jedoch sogar noch verstärken. Denn man bekommt unmittelbar mit, was man in der alten Heimat verpasst. Außerdem hat man weniger Zeit und einen freien Kopf dafür, was in der neuen Umgebung passiert. Man knüpft weniger Kontakte und bleibt in der neuen Wahlheimat länger fremd.

Tipps zum Umgang mit Heimweh

Haben Sie Geduld mit sich selbst:

Wer gut zu sich selbst ist, wird mit Heimweh schneller fertig, so das Ergebnis des Psychologen Terry und seinen Kollegen. Studienanfänger, die geduldig, mitfühlend und verständnisvoll mit sich selbst umgegangen waren, haben sich wesentlich besser eingelebt und an den Studienalltag angepasst, als Studenten, die hohe Ansprüche an sich selbst gestellt und sich unter Druck gesetzt hatten. Sie litten auch seltener unter Heimweh und Depressionen. Wenn Sie also Mitgefühl mit sich selbst zeigen können und sich nicht auch noch für die Schwierigkeiten verurteilen, können Sie diese mit großer Wahrscheinlichkeit besser bewältigen.

Suchen Sie sich Gleichgesinnte:

Manche Menschen fühlen sich in ihrem fremden Umfeld allein. Wie wir beim Begriff „Kultur“ verdeutlicht haben: es gibt nicht DIE fremde Kultur, auf die man trifft und an die man sich gewöhnen muss. Oft teilen Menschen unterschiedlicher Länder, aber ähnlichen Interessen oder Lebenssituation, mehr Gemeinsamkeiten, als sie Unterschiede trennen. Nehmen Sie Ihre Interessen zum Anlass, Gleichgesinnte zu suchen. So tummeln sich die Computer-Begeisterten untereinander, genauso wie die Hobby-Köche oder Politik-Debattierer. Welche Interessen haben Sie? Was wird vor Ort angeboten? Welche Hobbies können Sie ausüben, gibt es Vereine oder werden Ausflüge angeboten? Und wo in Ihrer Umgebung könnten Sie auf Menschen treffen, die ähnlich ticken wie Sie? So können Sie Menschen in der neuen Umgebung kennenlernen und Freundschaften aufbauen.

Finden Sie Ablenkung gegen das Heimweh:

Wenn wir Heimweh haben, kreisen die Gedanken häufig um das, was wir zurückgelassen haben und was uns fehlt. Dies führt zu schmerzlichen Gefühlen und bedrückter Stimmung, was wiederum dazu führt, dass das Nachdenken und Grübeln weiter zunimmt. Es entsteht ein Teufelskreis. In der Folge sind wir niedergeschlagen und können uns wenig auf Anderes konzentrieren. Sie können aktiv diese Abwärtsspirale unterbrechen, indem Sie sich ablenken und angenehme Dinge tun. Dies mag am Anfang schwerfallen, da Sie womöglich gar keine Lust dazu verspüren. Oft fällt es leichter, mit scheinbar kleinen Dingen zu beginnen, die Ihre Stimmung verbessern: treiben Sie gern Sport, haben Sie eine Lieblingsmusik, die Sie sich anhören können? Sie können sich mit Leuten treffen oder einen Spaziergang machen. Dabei ist es günstiger, sich aktive Beschäftigungen zu suchen, die Sie ablenken, anstatt ruhige, einsame Aktivitäten. Sie können eine Liste anfertigen mit Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen. Eine Anregung gibt auch unsere Liste weiter unten. Manchmal gelingt es selbst nicht, sich aktiv aus der Abwärtsspirale der Grübeleien zu befreien. Dann können Sie andere Menschen bitten, Sie abzulenken und aufzuheitern.

Schaffen Sie sich ein neues zu Hause:

Auch wenn Sie sich weit weg von Ihrer Heimat befinden, können Sie sich in der neuen Umgebung ein Stückchen Heimat selbst schaffen. Sie können sich einen passenden Ort bewusst gestalten, z.B. ein privates Bild aufhängen oder aufstellen, einen Raum ganz persönlich gestalten oder einen Gegenstand, der für Sie Bedeutung hat, aufstellen oder aufhängen. Haben Sie eine Lieblingsspeise, die Sie zubereiten möchten? Vielleicht können Sie damit auch neuen Bekannten ein Stück Ihrer Heimat „schmackhaft“ machen und teilhaben lassen. Sie können sich ganz bestimmte Orte suchen, an denen Sie sich wohlfühlen und wohin sie sich zurückziehen können, z.B. in der Natur oder in der Stadt. Vielleicht gibt es Menschen oder Vereine, wo Sie sich geborgen fühlen. Seien Sie aufmerksam dafür, wie Sie sich die neue Umgebung zu eigen machen können.

Gute Entscheidungen treffen:

Meist verschwindet Heimweh mit der Zeit von selbst. Sollten Sie sich Monate oder gar Jahre mit diesem Gefühl quälen, kann die Frage aufkommen, ob Sie zurück in die alte Heimat gehen wollen. Diese Entscheidung ist meist weitreichend und will gut abgewogen sein. Als Hilfe könnten Sie unsere Tipps zum Thema „Gute Entscheidungen treffen“ lesen.

Quellen:
Elke Regina Maurer (2012). Heimweh: Geschmack der Heimat
Marion Sommermoser (2014). Schluss mit Heimweh: Was Sie gegen Heimweh tun können – ein Selbsthilfebuch.
M. Terry (2013). Self-compassion as a buffer against homesickness, depression, and dissatisfaction in the transition to college. Self and Identity 2013; 12(3): 278-290

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