Mano, weiblich, 30 Jahre:
Ein naher Angehöriger (m, Mitte 30) zeigt seit einiger Zeit zunehmend auffällige Wahrnehmungen und starke Ängste. Er wechselt wiederholt die Türschlösser, weil er überzeugt ist, dass Unbekannte in seiner Wohnung gewesen seien. Aus ähnlichen Gründen ist er bereits umgezogen. Auch dort berichtet er von massiven Eingriffen in seine Wohnung – beschädigte Wände, verrückte Möbel oder Geräusche aus dem Boden.
Hinzu kommen körperlich sehr bedrohlich erlebte Eindrücke: Er fühlt sich beobachtet, manipuliert oder absichtlich geschwächt. All das führt dazu, dass er sich kaum noch sicher fühlt. Für uns als Angehörige ist diese Situation extrem belastend. Wir erleben ihn zunehmend angespannt, wütend und erschöpft.
„Er hat keinerlei Einsicht, dass er dringend professionelle Unterstützung braucht.“
Wir vermeiden es bewusst, ihm offen zu widersprechen, da wir Angst haben, selbst Teil seiner Überzeugungen zu werden. Gleichzeitig möchten wir ihm helfen, ohne die Beziehung zu gefährden. Uns stellt sich daher die Frage, welche Wege es gibt, Unterstützung zu ermöglichen, wenn keine Krankheitseinsicht vorhanden ist.
Hinzu kommt, dass aktuell keine eindeutige Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt, die ein sofortiges Eingreifen rechtfertigen würde. Dennoch zeigt er aggressive Impulse, beschädigt fremdes Eigentum und verletzt sich selbst, wenn er die Kontrolle verliert.
Antwort von Psychologen Online
Liebe Mano, die von Ihnen geschilderten Erlebnisse deuten auf eine schwere seelische Belastung hin. Solche Zustände können unterschiedliche Ursachen haben und müssen fachlich abgeklärt werden. Zuständig sind hierfür insbesondere Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie oder psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Für Angehörige ist es besonders schwer, wenn die betroffene Person ihre Wahrnehmung als unumstößliche Realität erlebt. Offenes Widersprechen oder „Überzeugen wollen“ verschärft häufig die Situation. Stattdessen kann es hilfreich sein, sich zunächst auf die emotionale Ebene zu beziehen – also auf Angst, Stress und das Gefühl von Bedrohung.
Gerade im Zusammenhang mit starker innerer Anspannung oder Schlafproblemen kann ein erster Zugang über allgemeine Themen wie Stress und Überforderung oder anhaltende innere Unruhe gefunden werden.
Helfen, ohne zu widersprechen
Ein möglicher Ansatz ist, die subjektive Realität Ihres Angehörigen ernst zu nehmen, ohne sie zu bestätigen. Sätze wie „Ich sehe das anders, aber ich merke, wie belastend das für dich ist“ können Vertrauen schaffen. So fühlt sich die betroffene Person nicht angegriffen, sondern verstanden.
Gleichzeitig können Sie versuchen, die Erlebnisse in eine allgemeinere Sprache zu übersetzen – etwa als Ausdruck von Angst, Unsicherheit oder Kontrollverlust. Dies ermöglicht Gespräche über Unterstützung, ohne direkt an den Überzeugungen anzusetzen.
Wann professionelle Hilfe möglich wird
Oft entsteht Bereitschaft für Hilfe eher über begleitende Probleme wie Schlafstörungen, massive Erschöpfung oder soziale Isolation. Auch der Hinweis, dass „alles zu viel geworden ist“, kann ein Einstieg sein, um einen Arztbesuch anzuregen.
Für Angehörige kann es außerdem sehr entlastend sein, selbst Unterstützung in Anspruch zu nehmen – etwa durch Beratungsangebote oder Selbsthilfegruppen. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen, sondern auch emotionale Entlastung und konkrete Handlungsempfehlungen.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Klarheit und gute Unterstützung auf diesem schwierigen Weg.
Psychologin Ines Walter
Diplom-Psychologin · Online-Beratung und in Praxis in Berlin Zum TerminFachliche Schwerpunkte
Ines Walter ist Psychologin mit langjähriger Erfahrung in der psychologischen Online-Beratung. Sie begleitet Erwachsene bei persönlichen, emotionalen und belastenden Lebenssituationen – empathisch, wissenschaftlich fundiert und diskret.
- ●Traumatische Erfahrungen & emotionale Belastungen
- ●Selbstwert, Identität & Persönlichkeitsentwicklung
- ●Ängste, innere Unsicherheit & Sorgen
- ●Stress, Überforderung & emotionale Erschöpfung
- ●Konflikte im Berufs- und Familienleben
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- Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.
Der jeweilige Blog-Artikel wurde unentgeltlich von einer Psychologin oder einem Psychologen von Psychologen Online verfasst. Er gibt die persönliche fachliche Einschätzung der Autorin bzw. des Autors wieder, die auf einer fundierten Ausbildung sowie praktischer Beratungs- und gegebenenfalls Therapieerfahrung basiert.
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