Eine Affäre kann das eigene Selbstbild und die Beziehung stark erschüttern. Vielleicht erkennen Sie sich wieder: Zwischen Schuldgefühlen, Angst und innerem Konflikt stellt sich die Frage – wie geht es jetzt weiter?
In diesem Artikel erfahren Sie:
Erfahrungsbericht: Affäre und Schuldgefühle
Ich habe beruflich und privat ein erfülltes Leben. Seit zwölf Jahren bin ich verheiratet. Und doch habe ich vor vier Monaten eine Affäre begonnen. Ich verstehe selbst nicht, wie es dazu kam. Wie konnte das passieren und was sagt es über meine Ehe aus?
Ich bin völlig durcheinander und leide sehr unter der Situation, unter der Heimlichkeit. Ich ringe mit mir, ob ich meinem Mann meine Tat gestehen soll.
Ich habe große Angst, ob dies dann das Ende unserer Ehe bedeuten würde. Was ich getan habe, ist unmoralisch, falsch und verwerflich. Wahrscheinlich werden auch Sie mich dafür verurteilen – zu Recht.
[Christiane, 47 Jahre]
Liebe Christiane,
vielen Dank für Ihr Vertrauen und den Einblick in Ihre gegenwärtige Lebenssituation.
Zuerst möchte ich den Versuch unternehmen, Ihrer Sorge vor meiner Verurteilung Ihrer sexuellen Untreue als zwischenmenschliches Verbrechen, beizukommen. Als Paar- und Sexualtherapeutin ist es nicht meine Aufgabe, zu richten, sondern Sie dabei zu unterstützen, zu verstehen, welche Kräfte hier wirksam werden.
Die Faszination einer Affäre
Eine Affäre bündelt intensive Gefühle: Liebe, Leidenschaft, Lüge, Begehren, Verrat, Eifersucht – und das alles gleichzeitig. Diese Verdichtung finden wir sonst nur in der Oper!
Oft ist es die Magie der erotischen Begegnung, verboten und gerade deshalb von so großer Kraft, die dazu verleitet, eigene und gemeinsam gesetzte Grenzen zu überschreiten.
Affäre und Ehe im Zusammenhang
Eine Affäre entsteht selten losgelöst von der bestehenden Beziehung. Häufig gewinnt sie ihre Bedeutung erst im Kontrast zur Ehe. Sie ist daher meist keine Alternative, sondern eng mit der Partnerschaft verbunden.
Soll man die Affäre gestehen?
Ein Geständnis kann unterschiedliche Motive haben. Es kann entlasten – aber auch verletzen: Jetzt kann ich besser schlafen und Du hast die schlaflosen Nächte. Oft ist das auch der Weg, die Affäre zu beenden: nun ist es gesagt und gleichzeitig Schluss damit. Doch manchmal beginnt damit das Unglück des Anderen.
Wie es nach einer Affäre weitergehen kann
In meiner Praxis begegnen mir meist drei Szenarien:
- 1. Die Affäre tötet das Paar, welches bereits im Sterben liegt.
- 2. Die Affäre wird zu einer neuen Liebe, in its own right.
- 3. Die Affäre wird als Alarmsignal gedeutet und rettet die Primärbeziehung.
Weniger hilfreich ist es, das Geschehen ausschließlich als „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten. Eine Affäre zeigt oft, wie verletzlich Beziehungen sind – auf beiden Seiten.
Hilfreicher kann sein:
- die Hintergründe des eigenen Handelns zu verstehen
- eigene Bedürfnisse und Beziehungsmuster zu reflektieren
- Entscheidungen bewusst zu treffen – nicht nur aus Schuldgefühl heraus
Erst wenn Sie verstehen, welche inneren und zwischenmenschlichen Kräfte wirken, können Sie einen konstruktiven Weg im Umgang mit der Affäre finden.
Meine Antwort auf Ihre Frage ist keine Empfehlung zum Fremdgehen, sie ist vielmehr ein Plädoyer, einer Affäre mit Anstand, Würde und Stil zu begegnen, und vor allem eines: ein Plädoyer zum Verstehen, inwiefern wir einen Einfluss auf unser sexuelles Begehren haben und inwieweit nicht. Erst dann können Sie mit Erfolgsaussichten den Versuch unternehmen, einen Weg zu finden, mit der Verletzlichkeit umzugehen, die Ihre Leidenschaft Ihnen – und Ihrem Mann – zumutet.
Oft wird durch eine einseitige Bewertung in Moral und Unmoral der Versuch unternommen, dem Geschehenen beizukommen. Dies baut meiner Erfahrung nach falsche Gegensätze auf, und ist wenig hilfreich.
Auch der Gekränkte ist verführbar und der Verführte ist kränkbar.
Paar- und Sexualtherapeutin Juliane Kröner
Online-Beratung und in Praxis in Berlin Zum TerminFachliche Schwerpunkte
Juliane Köster ist Paar- und Sexualtherapeutin und begleitet Einzelpersonen sowie Paare bei sexuellen, partnerschaftlichen und emotionalen Fragestellungen. Ihr Ansatz ist wertschätzend, professionell und darauf ausgerichtet, Orientierung, Entlastung und neue Handlungsspielräume zu eröffnen.
- ● Beratung bei Störungen sexueller Funktionen wie Lustlosigkeit, dranghafter Sexualität, Erektionsstörungen, Orgasmusschwierigkeiten und Schmerzen beim Sex
- ● Fachliche Begleitung bei Fragen zu sexuellen Präferenzen (z. B. Fetischismus, Sadomasochismus, Exhibitionismus, Voyeurismus)
- ● Unterstützung bei sexueller Selbstfindung, dem Erkennen eigener Bedürfnisse, Grenzen und Vorlieben sowie im Umgang mit Scham- und Schuldgefühlen
- ● Beratung bei Herausforderungen in der Paardynamik: Affären, wiederkehrende Konflikte, Kommunikationsprobleme, Eifersucht sowie Nähe- und Distanzthemen
- ● Begleitung bei Familienplanung, Schwangerschaft und unerfülltem Kinderwunsch mit Fokus auf emotionale, partnerschaftliche und sexuelle Aspekte
- Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.
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