• 24-Stunden-Hotline zur Terminvergabe
  • 0800 - 724 33 11
Menü

psychisch kranker Partner

psychisch kranker Partner

Wenn ein nahestehender Mensch psychisch erkrankt, fühlen sich Angehörige oft hilflos, erschöpft und emotional stark belastet. Auf dieser Seite erfahren Sie, warum Depressionen auch Partnerschaften und Familien verändern können – und weshalb es wichtig ist, dass auch Angehörige psychisch Kranker Unterstützung erhalten.

Zu Ihrem Termin


Erfahrungsbericht

Meine Partnerin und ich sind seit 16 Jahren zusammen. Seit längerer Zeit leidet sie unter Depressionen, im Moment besonders stark. Sie kommt kaum aus dem Bett, zieht sich zurück, grübelt viel und ist seit Monaten krankgeschrieben. Unternehmungen lehnt sie meist ab, sodass ich vieles allein mache.
Ein Antidepressivum hat sie wegen der Nebenwirkungen wieder abgesetzt. Auch eine Therapie lehnt sie ab, weil sie glaubt, dass sie nichts bringen würde. Ich liebe sie sehr, merke aber zunehmend, wie sehr mich die Situation belastet. Ich weiß nicht mehr, wie ich ihr helfen kann und wie wir aus dieser Krise herausfinden sollen.
[Robert, 46 Jahre]

Wie psychisch kranker Partner Beziehungen belasten können

Lieber Robert, vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie sich hilflos fühlen. So geht es vielen Angehörigen von Menschen mit Depression. Eine typische Erscheinung ist, dass die Betroffenen wenig Antrieb haben und sich hoffnungslos fühlen. Das macht es schwerer, sich professionelle Hilfe wie eine Therapie zu suchen. Ein typsicher Gedanke ist: „mir geht es schlecht und es wird immer so bleiben“.

Die unerwünschten Wirkungen des Medikaments sind typisch für einige Antidepressiva gerade am Anfang der Behandlung. Häufig werden sie bei längerer Einnahme weniger oder gehen ganz weg. Nur wenn die Partnerin mit der Ärztin über die Nebenwirkungen spricht, dann diese etwas verändern, z.B. einen andere Dosierung ausprobieren oder ein anderes Medikament.

„Tanz um das Symptom“ bei Angehörigen psychisch Kranker

In Beziehungen, in denen ein Partner eine Depression hat oder als psychisch krank gilt, geschieht zwischen den Personen häufig etwas, das in der systemischen Therapie „Tanz um das Symptom“ genannt wird: Alles fokussiert sich auf die Krankheit, es ist ständig Gesprächsthema. Dabei kommt es oft zu ungünstigen Dynamiken, in denen jeder eine Position einnimmt und sich darauf versteift, z.B.:

  • „Du bist krank“ gegen „Ich bin nicht krank“
  • „Wenn du mich liebst, machst du eine Therapie“ gegen „Wenn du mich liebst, akzeptierst du mich so wie ich bin“

Diese Dynamiken verfestigen sich oft, und es ist gar nicht mehr möglich, in der Beziehung etwas anderes zu sehen, als dieses Thema. Leider hat es auch oft die Folge, dass sich die Symptome oder die Krankheit eher verfestigt, als bessert.

Warum gemeinsame Auszeiten wichtig sind

Wenn Sie eine solche Dynamik bei sich und ihrer Partnerin sehen, empfehle ich Ihnen, sich bewusst Auszeiten vom Thema Depression zu nehmen. Was können sie noch gemeinsam machen, ohne dass das Zusammensein davon getrübt wird. Es können auch scheinbar kleine Alltäglichkeiten sein, z.B. ein schönes Essen zusammen oder ein gemeinsamer Film auf dem heimischen Sofa.

Warum Angehörige auch auf sich selbst achten sollten

Bei allen guten Absichten können Sie Ihre Partnerin nicht in eine Therapie drängen. Letztendlich ist sie für sich selbst verantwortlich. Diese Hilflosigkeit ist schwer zu ertragen. Dort finden Sie auch Angehörige psychisch kranker Menschen, mit denen Sie sich darüber austauschen können. Es geht vielen liebenden Menschen ähnlich wie Ihnen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige, bestimmt auch in Ihrer Region.

Sie sollten neben der Sorge auf die Partnerin auch Ihren Blick auf das eigene Wohlbefinden wenden. Was tut Ihnen gut? Wo können Sie neue Energie schöpfen und Abstand finden. Ein gutes soziales Netz ist wichtig, Freunde und Verwandte. Dies sollten sie pflegen und nutzen, auch wenn ihre Partnerin nicht mitgehen möchte.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

  • Psychologin Katrin Speth – Online Beratung

    Psychologin Katrin Speth Diplom-Psychologin · Paar- und Familientherapeutin · Online-Beratung in Deutsch und Englisch

    Zum Termin

    Fachliche Schwerpunkte

    Katrin Speth ist Psychologin und begleitet Erwachsene in herausfordernden Lebenssituationen. In der psychologischen Online-Beratung unterstützt sie bei zwischenmenschlichen Themen, internationalen Lebensrealitäten sowie bei persönlicher und beruflicher Neuorientierung. Ihr Ansatz ist ressourcenorientiert, wertschätzend und individuell abgestimmt.

    • Beziehungskonflikte in Partnerschaft, Familie und Arbeitskontexten
    • Leben im Ausland und Identitätsfragen in interkulturellen Lebenssituationen
    • Persönliches Wachstum und berufliche Entwicklung
    • Entscheidungsfindung und Neuorientierung
    • Umgang mit emotionaler Belastung, Stress und Erschöpfung
  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.
    Der jeweilige Blog-Artikel wurde unentgeltlich von einer Psychologin oder einem Psychologen von Psychologen Online verfasst. Er gibt die persönliche fachliche Einschätzung der Autorin bzw. des Autors wieder, die auf einer fundierten Ausbildung sowie praktischer Beratungs- und gegebenenfalls Therapieerfahrung basiert.
    Die individuelle Beratung durch Psychologen Online per Video oder Telefon ist kostenpflichtig. Wenn Sie ein kostenfreies Unterstützungsangebot suchen, können Sie sich beispielsweise an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 wenden.