Wiedereingliederung nach Depression: Was tun bei Herzrasen und innerer Unruhe?
Einleitung:
Wenn Sie nach einer depressiven Belastungsstörung in die Wiedereingliederung starten und erneut Herzrasen oder innere Unruhe erleben, kann das schnell Zweifel an der eigenen Stabilität auslösen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
Erfahrungsbericht: Wiedereingliederung nach depressiver Belastungsstörung
„Im letzten Jahr bin ich aufgrund starker beruflicher und privater Belastung vollständig ausgefallen. Es folgten mehrere Krankschreibungen, die Diagnose einer depressiven Belastungsstörung, ein Klinikaufenthalt und eine dreimonatige Reha. „Zunächst dachte ich, ich komme gut zurecht – doch jetzt sind die Symptome plötzlich wieder da.“
Seit rund zehn Monaten bin ich aus dem Arbeitsprozess raus und seit zwei Wochen bin ich im Rahmen der Wiedereingliederung wieder stundenweise im Büro. Anfangs lief es gut, doch nun treten wieder Symptome wie Herzrasen, innere Unruhe und panikartige Zustände auf. Trotz erlernter Bewältigungsstrategien fühlte ich mich überfordert und bin nach Hause gegangen.
Jetzt habe ich Angst, noch nicht stabil genug zu sein. Schon kleine Anforderungen bringen mich aus dem Gleichgewicht. Was kann ich tun, um mehr Stabilität und Sicherheit im Alltag zu gewinnen?“
[Torsten, 56 Jahre]
Äußere Rahmenbedingungen klären
Wichtig ist: Eine Wiedereingliederung darf flexibel gestaltet werden. Eine Anpassung oder Verlängerung bedeutet kein Scheitern, sondern ist Teil eines realistischen Genesungsprozesses.
Sie können offen sprechen mit:
- Vorgesetzten
- Betriebsrat
- Personalabteilung
Ebenso sinnvoll ist eine ärztliche Abklärung körperlicher Ursachen für das Herzrasen. Allein diese Sicherheit kann helfen, Stressgedanken zu reduzieren.
Wenn der Körper Alarm schlägt
Nach einer Phase starker Überforderung reagiert das Nervensystem häufig sensibel. Frühere Belastungen wirken wie ein inneres Warnsystem – auch dann, wenn die aktuelle Situation objektiv weniger bedrohlich ist. Die von Ihnen beschriebenen körperlichen Symptome sind nicht ungewöhnlich.
Wird ein erhöhter Puls sofort als Gefahr interpretiert, verstärkt sich die Alarmreaktion. Durch bewusstes Einordnen können Sie beginnen, Stress abzubauen: „Mein Körper erinnert sich – aber ich bin jetzt sicher und habe Handlungsmöglichkeiten.“
Gerade in dieser Phase kann eine begleitende Unterstützung sinnvoll sein, um den Umgang mit Körpersignalen weiter zu festigen und Vertrauen in die eigene Selbstregulation zurückzugewinnen.
Wiedereingliederung als Lernphase verstehen
Sie können Ihre Situation mit einer Fahrschule vergleichen: In der Reha haben Sie Grundlagen gelernt und im geschützten Rahmen geübt. Die Rückkehr in den Arbeitsalltag ist nun der Praxisteil.
Rückschläge bedeuten nicht, dass alles wirkungslos war. Sie zeigen, dass Übung unter realen Bedingungen Zeit braucht. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, frühe Warnsignale wahrzunehmen und nicht erst dann zu reagieren, wenn die innere Anspannung bereits sehr hoch ist.
Hilfreich können sein:
- kurze Pausen
- bewusste Atemregulation
- ein kurzer Ortswechsel
- kleine Unterbrechungen im Arbeitsfluss
Eigene Strategien zur Stabilisierung festigen
Fragen Sie sich:
- Was hilft mir in welcher Situation?
- Was war in der Reha besonders hilfreich?
- Welche Schritte setze ich zuerst, wenn Anspannung entsteht?
Solche klaren inneren Abläufe geben Sicherheit – gerade in Phasen, in denen das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit noch fragil ist. Auch das bewusste Einplanen von Erholung, Schlaf und stabilisierenden Alltagsroutinen trägt wesentlich zur langfristigen Stabilisierung bei.#
Literaturempfehlung:
- Matthew Johnstone; Mein schwarzer Hund Wie ich meine Depression an die Leine legte

Petra Hellmann Paar- und Familienberatung · Erziehungsberatung · Online-Beratung und in Praxis in Soest
Zum TerminFachliche Schwerpunkte
Petra Hellmann ist psychologische Beraterin für Ehe-, Familien-und Lebensfragen mit dem Fokus auf persönliche Krisen und Entwicklungsprozesse. Sie begleitet Einzelpersonen, Paare und auch Eltern dabei schwierige Lebensphasen besser zu verstehen, sie als Herausforderung anzunehmen, um sie aktiv zu bewältigen.
- ●Kriseninterventionen in den unterschiedlichsten Lebens- und Entwicklungsprozessen
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