Wiedereingliederung nach Depression: Was tun bei Herzrasen und innerer Unruhe?
Einleitung:
Wenn Sie nach einer depressiven Belastungsstörung in die Wiedereingliederung starten und erneut Herzrasen oder innere Unruhe erleben, kann das schnell Zweifel an der eigenen Stabilität auslösen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
Erfahrungsbericht: Wiedereingliederung nach depressiver Belastungsstörung
„Im letzten Jahr bin ich in meinem Job vollständig ausgefallen. Die Belastung war enorm – beruflich wie privat. Es folgten mehrere Krankschreibungen, die Diagnose einer depressiven Belastungsstörung, ein Klinikaufenthalt sowie eine dreimonatige Reha.
Zunächst dachte ich, ich komme gut zurecht – doch jetzt sind die Symptome plötzlich wieder da.
Seit rund zehn Monaten bin ich aus dem Arbeitsprozess raus. Aktuell befinde ich mich in der Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell und bin seit zwei Wochen stundenweise im Büro. Anfangs hatte ich den Eindruck, dass es gut funktioniert. Doch gestern und heute traten plötzlich wieder Symptome auf: starkes Herzrasen, innere Unruhe und panikartige Zustände.
Ich habe sofort auf Bewältigungsstrategien zurückgegriffen, die ich während der Reha gelernt habe – Atemübungen, autogenes Training. Dennoch blieb das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Ich bin schließlich nach Hause gegangen. Seitdem begleitet mich die Angst, dass ich vielleicht doch noch nicht stabil genug bin, um den Arbeitsalltag wieder auszuhalten.
Schon kleine Anforderungen bringen mich aktuell aus dem Gleichgewicht. Ich frage mich, ob ich grundsätzlich Schwierigkeiten habe, mit Belastung umzugehen – und ob die Reha und die vielen Gespräche am Ende vielleicht doch nicht ausgereicht haben.
Was kann ich tun, um mich besser zu stabilisieren und wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen?“ [Torsten, 56 Jahre]
Äußere Rahmenbedingungen klären
Wichtig ist: Eine Wiedereingliederung darf flexibel gestaltet werden. Eine Anpassung oder Verlängerung bedeutet kein Scheitern, sondern ist Teil eines realistischen Genesungsprozesses.
Sie können offen sprechen mit:
- Vorgesetzten
- Betriebsrat
- Personalabteilung
Ebenso sinnvoll ist eine ärztliche Abklärung körperlicher Ursachen für das Herzrasen. Allein diese Sicherheit kann helfen, Stressgedanken zu reduzieren.
Wenn der Körper Alarm schlägt
Nach einer Phase starker Überforderung reagiert das Nervensystem häufig sensibel. Frühere Belastungen wirken wie ein inneres Warnsystem – auch dann, wenn die aktuelle Situation objektiv weniger bedrohlich ist.
Wird ein erhöhter Puls sofort als Gefahr interpretiert, verstärkt sich die Alarmreaktion. Durch bewusstes Einordnen können Sie beginnen, Stress abzubauen:
- „Mein Körper reagiert – aber ich bin sicher und kann handeln.“ -
- nicht durch Verdrängen, sondern durch Einordnen.
- Gerade in dieser Phase kann begleitende Unterstützung sinnvoll sein, um Vertrauen in Ihre Selbstregulation zurückzugewinnen.
Wiedereingliederung als Lernphase verstehen
Sie können Ihre Situation mit einer Fahrschule vergleichen: In der Reha haben Sie Grundlagen gelernt und im geschützten Rahmen geübt. Die Rückkehr in den Arbeitsalltag ist nun der Praxisteil.
Rückschläge bedeuten nicht, dass alles wirkungslos war. Sie zeigen, dass Übung unter realen Bedingungen Zeit braucht.
Hilfreich können sein:
- kurze Pausen
- bewusste Atemregulation
- ein kurzer Ortswechsel
- kleine Unterbrechungen im Arbeitsfluss
Eigene Strategien zur Stabilisierung festigen
Fragen Sie sich:
- Was hilft mir in welcher Situation?
- Was war in der Reha besonders hilfreich?
- Welche Schritte setze ich zuerst, wenn Anspannung entsteht?
Schriftlich festgehaltene Abläufe geben Orientierung und Sicherheit. Ebenso wichtig sind:
- regelmäßiger Schlaf
- bewusste Erholungszeiten
- stabile Alltagsroutinen

Petra Hellmann Paar- und Familienberatung · Erziehungsberatung · Online-Beratung und in Praxis in Soest
Zum TerminFachliche Schwerpunkte
Petra Hellmann ist Paar- und Erziehungsberaterin mit Fokus auf Beziehungsdynamiken, familiäre Herausforderungen und persönliche Entwicklungsprozesse. Sie begleitet Paare, Eltern und Einzelpersonen dabei, schwierige Lebensphasen zu verstehen, anzunehmen und aktiv zu bewältigen.
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