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Winterdepression: wie schütze ich mich davor?

winterdepression

Sonnen.Blumen, weiblich, 20 Jahre

Hallo liebes Psychologen-Team,

im letzten Winter habe ich mich intensiv gefragt, ob ich depressiv bin. In dieser Zeit brach ich mein Studium im vierten Semester ab. Zwar organisierte ich zügig einen neuen Studiengang, emotional war diese Phase jedoch sehr belastend. Sobald ich nicht unter Menschen war – etwa bei Freunden oder meiner Familie – fühlte ich mich nicht nur allein, sondern tief einsam.

Ich hatte kaum Lust, etwas zu unternehmen, zog mich stark zurück und versuchte, möglichst viel Zeit „abzusitzen“. Abends wurde es besonders schwer: Meine Stimmung kippte plötzlich, ich wurde traurig und musste gelegentlich weinen. Diese inneren Tiefs erinnerten mich stark an das, was viele Menschen bei ausgeprägter Zukunftsangst oder in Phasen großer Verunsicherung beschreiben.

„Ich habe Angst, diesen Winter wieder motivationslos und niedergeschlagen zu sein. Ist das noch normal?“

Der Studienabbruch ging auch mit der Sorge einher, von meinen früheren Kommilitoninnen und Kommilitonen nicht mehr „dazuzugehören“. Dieses Gefühl verstärkte mein Unwohlsein in der Studienstadt deutlich. Am wohlsten fühlte ich mich in dieser Zeit bei meinen Eltern oder meinem Bruder. Nähe und Vertrautheit gaben mir Sicherheit.

Interessanterweise beschreiben mich andere Menschen meist als optimistisch und lebensfroh. Umso mehr irritierte mich dieser starke innere Einbruch. Ich vermutete einen Zusammenhang mit meinem unstrukturierten Alltag und versuchte, mit festen Zeiten, To-do-Listen und Routinen gegenzusteuern – allerdings fiel mir die Umsetzung oft schwer.

Inzwischen hat sich vieles verändert: Ich bin wieder fest im Studium eingebunden, mein Alltag ist klarer strukturiert und seit dem Frühjahr hat sich meine Stimmung deutlich stabilisiert. Die Erschöpfung und Antriebslosigkeit sind kaum noch spürbar. Rückblickend frage ich mich, ob die damalige Phase eher eine Reaktion auf den Umbruch war – verbunden mit Einsamkeit, Überforderung und fehlender Orientierung.

Trotzdem bleibt die Sorge, dass sich ein ähnlicher Zustand im kommenden Winter wiederholen könnte. Ich wünsche mir sehr, Wege zu finden, mich besser zu schützen und frühzeitig gegenzusteuern.

Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende, Sie beschreiben sehr anschaulich eine Phase großer innerer Belastung, die zeitlich mit mehreren Veränderungen zusammenfiel. Solche Umbruchphasen gehen häufig mit Niedergeschlagenheit, Grübeln, Schlafproblemen und Rückzug einher – ohne dass zwingend eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegen muss.

Wichtig für die Einordnung ist immer das Zusammenspiel aus Dauer, Intensität der Symptome und den Lebensumständen. Gerade Übergänge, wie Studienwechsel oder Trennungen von vertrauten sozialen Bezügen, können vorübergehend starke emotionale Reaktionen auslösen.

Hilfreich kann es sein, die eigene Situation auch im Zusammenhang mit Themen wie Schlafproblemen oder dem Umgang mit Stress zu betrachten.

Wie Sie sich für belastende Phasen wappnen können

Sie können viel aus der Phase lernen, in der es Ihnen wieder besser ging: Welche Faktoren haben zur Stabilisierung beigetragen? War es die feste Tagesstruktur, soziale Einbindung oder das Gefühl, wieder sinnvoll beschäftigt zu sein?

Viele Menschen profitieren davon, frühzeitig gegenzusteuern – etwa durch regelmäßige Bewegung, verbindliche soziale Termine, Hobbys für die dunkleren Monate oder ein einfaches Stimmungstagebuch. Auch kleine, realistische Ziele können helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu erleben.

Wenn Sie merken, dass Sorgen oder Niedergeschlagenheit erneut an Gewicht gewinnen, kann eine begleitende Beratung helfen, diese Entwicklungen einzuordnen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre innere Stabilität auch durch kommende Winter tragen können.

  • Psychologin Nora Thiemann

    Psychologin Nora Thiemann
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