Angst vor der Zukunft wegen der Weltlage – bin ich psychisch krank?
Heimweh im Ausland: Symptome, Auslöser und Tipps für einen guten Umgang
Weit entfernt von den eigenen Lieben und der vertrauten Umgebung zu sein – als Reisender, Expat oder Auswanderer – kann Heimweh im Ausland auslösen.
Dieses Gefühl ist schmerzhaft, aber häufig und in vielen Fällen zunächst normal. In diesem Artikel erfahren Sie, was Heimweh ist, welche Auslöser und Symptome typisch sind
und welche Heimweh-Tipps im Alltag helfen können. Auf der
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Hier erfahren Sie
- Heimweh im Ausland: ein häufiges Phänomen
- Heimweh-Auslöser: warum es (wieder) auftaucht
- Heimweh-Symptome: körperlich, emotional, sozial
- Heimweh – was tun? Praktische Tipps
- Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
- Fazit: Heimweh verstehen und gut begleiten
„Ich hatte mich so auf meine Arbeit in der Grundschule und die Reisen gefreut. Jetzt sitze ich nur herum, meine Familie und Freunde von zu Hause fehlen mir so sehr.“
– Teilnehmerin eines Freiwilligendienstes in Nicaragua
Die wichtigste Botschaft vorweg:
Heimweh ist häufig und zunächst nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass „etwas nicht stimmt“.
Entscheidend ist, wie stark die Beschwerden sind, wie lange sie anhalten – und ob Sie im Alltag noch gut zurechtkommen.
Heimweh im Ausland: ein häufiges Phänomen
Menschen, die längere Zeit im Ausland arbeiten oder leben, lassen meist Familie, Freunde, die bekannte Umgebung oder liebgewonnene Gewohnheiten zurück.
Dann kann ein Gefühl von Heimweh auftreten – die schmerzliche Sehnsucht nach der Geborgenheit des Gewohnten und Vertrauten.
Heimweh richtet sich auf den Ort, den man als Heimat oder „Zuhause“ erlebt. Was fehlt, ist Sicherheit: vertraute Routinen, Sprache, Kommunikation,
kulturelle Werte – und das Gefühl, „wie selbstverständlich“ dazuzugehören.
Ein gelegentliches Heimweh-Gefühl ist meist normal und klingt oft von selbst ab. Wenn Heimweh jedoch Wochen oder Monate anhält und starken Leidensdruck erzeugt,
kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen – auch, um abzuklären, ob sich z. B. depressive Symptome entwickelt haben.
Heimweh-Auslöser: warum es (wieder) auftaucht
Heimweh hat viele mögliche Auslöser. Häufig beginnt es, wenn die erste Neugier nachlässt oder wenn Herausforderungen im Alltag zunehmen.
Manchmal wird Heimweh auch durch Kleinigkeiten „getriggert“ – ein Lied, ein Geruch oder die eigene Sprache.
Typische Auslöser für Heimweh im Ausland:
- Wenn in der neuen Umgebung Neugier und Euphorie abnehmen und Schwierigkeiten auftreten.
- Wenn plötzlich etwas Vertrautes auftaucht (Lied, Geruch, die eigene Sprache).
- Wenn der Alltagstrubel nachlässt und Ruhe einkehrt – häufig abends.
- Wenn es einem nicht gut geht: Einsamkeit, Traurigkeit, Krankheit.
- Zu besonderen Anlässen (Feiertage, Feste, Traditionen, Rituale).
Quelle: Elke Maurer
Heimweh-Symptome: körperlich, emotional, sozial
Heimweh kann sich sehr unterschiedlich zeigen – körperlich, emotional und im Verhalten.
Wenn das Gefühl stark ist, entsteht leicht ein Kreislauf aus Grübeln, gedrückter Stimmung und Rückzug.
Mögliche Symptome bei Heimweh:
- Kopfschmerzen und andere Schmerzen, Appetitverlust, Schlafstörungen, Grübeln, Konzentrationsprobleme, Desinteresse
- Sozialer Rückzug, Einsamkeit, Passivität, Gefühl des Entwurzelt-Seins oder Nicht-Dazugehörens, wenig Energie, Hoffnungslosigkeit
- Trauer, Kummer, Wut, Gereiztheit, Aggressivität, Niedergeschlagenheit, Verbitterung, Sehnsucht
- Unzufriedenheit, Enttäuschung
- Flucht- und Rückkehrpläne
- Depressive Symptome, in schweren Fällen Suizidgedanken
Quelle: Marion Sonnenmoser
Wichtig:
Viele Menschen versuchen instinktiv, Heimweh zu lindern, indem sie ständig mit „Zuhause“ telefonieren oder skypen.
Das kann Heimweh jedoch auch verstärken: Sie erleben unmittelbar, was Sie verpassen – und haben weniger Raum, in der neuen Umgebung anzukommen,
Kontakte aufzubauen und das neue Umfeld zu erkunden.
Heimweh – was tun? Praktische Tipps für den Alltag
Heimweh braucht meist keine „harte Bekämpfung“, sondern einen klugen Umgang: Selbstmitgefühl, Kontakt, Aktivität und das schrittweise Ankommen in der neuen Umgebung.
Die folgenden Strategien sind praxiserprobt und helfen vielen Menschen, wieder mehr Stabilität zu finden.
1) Haben Sie Geduld mit sich selbst
Wer freundlich zu sich selbst bleibt, kommt häufig schneller mit Heimweh zurecht. Forschungsergebnisse (Terry und Kollegen) zeigen:
Menschen, die mitfühlend und verständnisvoll mit sich umgehen, passen sich oft besser an neue Lebenssituationen an und berichten seltener von Heimweh und depressiver Stimmung.
Wenn Sie sich nicht zusätzlich verurteilen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Umstellung Schritt für Schritt bewältigen.
2) Suchen Sie Gleichgesinnte
Oft fühlen sich Menschen im neuen Umfeld zunächst allein. Gleichzeitig verbindet uns häufig mehr, als uns trennt – etwa Interessen, Lebensphasen oder Werte.
Nutzen Sie Ihre Hobbys als Brücke: Sport, Kochen, Technik, Musik, Ehrenamt oder lokale Gruppen. So entstehen leichter Kontakte und echte Freundschaften.
3) Finden Sie Ablenkung und unterbrechen Sie den Grübelkreislauf
Heimweh verstärkt sich häufig durch Gedankenkreisen: „Was fehlt mir? Was habe ich zurückgelassen?“ – das drückt die Stimmung und führt zu noch mehr Grübeln.
Versuchen Sie, die Abwärtsspirale aktiv zu unterbrechen: Treffen Sie Menschen, gehen Sie spazieren, bewegen Sie sich, hören Sie Musik oder planen Sie kleine Ausflüge.
Oft hilft es, mit kleinen Schritten zu beginnen und lieber aktive als isolierte Beschäftigungen zu wählen.
4) Schaffen Sie sich ein neues „Zuhause“
Auch in der neuen Umgebung können Sie sich vertraute Anker schaffen: Fotos, vertraute Gegenstände, eine Lieblingsspeise oder feste Wohlfühlorte (Natur, Café, Bibliothek).
Beobachten Sie bewusst, was Ihnen gut tut – und bauen Sie daraus Schritt für Schritt ein Gefühl von Zugehörigkeit.
5) Gute Entscheidungen treffen: bleiben oder zurückkehren?
Meist lässt Heimweh mit der Zeit nach. Wenn es jedoch über Monate (oder länger) stark bleibt, kann die Frage nach einer Rückkehr auftauchen.
Diese Entscheidung ist weitreichend und sollte gut abgewogen werden. Hilfreich können unsere Tipps sein:
Gute Entscheidungen treffen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn Heimweh sehr stark ist, lange anhält oder Sie im Alltag deutlich einschränkt, kann professionelle Unterstützung entlasten.
Das gilt besonders, wenn sich depressive Symptome verstärken oder wenn der Rückzug zunimmt.
Psychologische Unterstützung ist sinnvoll, wenn:
- Heimweh Ihren Alltag, Schlaf oder Appetit deutlich beeinträchtigt
- Grübeln, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit über Wochen anhalten
- Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftreten (bitte holen Sie dann sofort Hilfe)
Fazit: Heimweh verstehen und gut begleiten
Heimweh im Ausland ist ein häufiges und oft nachvollziehbares Gefühl – besonders in Umbruchsituationen.
Wenn Sie Auslöser und Symptome erkennen, mit sich selbst geduldig bleiben, Kontakte fördern und Aktivität aufbauen,
entsteht meist wieder mehr Stabilität. Bei anhaltend hohem Leidensdruck ist es sinnvoll, frühzeitig Unterstützung anzunehmen.
Das hilft vielen Menschen besonders:
- Selbstmitgefühl statt Selbstkritik
- aktive Schritte gegen Rückzug (Kontakt, Bewegung, kleine Ziele)
- bei Bedarf professionelle Hilfe – lieber früh als spät
Quellen
Elke Regina Maurer (2012). Heimweh: Geschmack der Heimat
Marion Sonnenmoser (2014). Schluss mit Heimweh: Was Sie gegen Heimweh tun können – ein Selbsthilfebuch
M. Terry (2013). Self-compassion as a buffer against homesickness, depression, and dissatisfaction in the transition to college. Self and Identity 2013; 12(3): 278–290
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Psychologin Katrin Speth Diplom-Psychologin · Paar- und Familientherapeutin · Online-Beratung in Deutsch und Englisch
Zum TerminFachliche Schwerpunkte
Katrin Speth ist Psychologin und begleitet Erwachsene in herausfordernden Lebenssituationen. In der psychologischen Online-Beratung unterstützt sie bei zwischenmenschlichen Themen, internationalen Lebensrealitäten sowie bei persönlicher und beruflicher Neuorientierung. Ihr Ansatz ist ressourcenorientiert, wertschätzend und individuell abgestimmt.
- ●Beziehungskonflikte in Partnerschaft, Familie und Arbeitskontexten
- ●Leben im Ausland und Identitätsfragen in interkulturellen Lebenssituationen
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- ●Entscheidungsfindung und Neuorientierung
- ●Umgang mit emotionaler Belastung, Stress und Erschöpfung
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