Wenn die eigenen Kinder Drogen nehmen und sich ihr Verhalten deutlich verändert, kann das große Sorgen auslösen. Für Eltern entsteht dann schnell das Gefühl, etwas tun zu müssen – und gleichzeitig kaum noch Einfluss zu haben. Gerade wenn zusätzlich Ängste, Zukunftssorgen oder starke Stimmungsschwankungen auftreten, stellt sich die Frage, wie ernst die Situation ist und wie Eltern helfen können, ohne dass Gespräche immer weiter eskalieren. Wichtig ist dabei: Eltern müssen das Problem nicht allein lösen. Auch wenn die Kinder noch keine Hilfe annehmen möchten, können Sie selbst Orientierung und Unterstützung suchen.
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf psychologischer Fachliteratur und der Erfahrung aus der psychologischen Beratung. Quellen und weiterführende Literatur finden Sie am Ende des Beitrags. Zuletzt fachlich geprüft durch Psychologin und Traumafachberaterin Marie Köster: 13.09.2026 » Zur Autorin
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Meine 17-jährige Tochter war früher motiviert und erfolgreich. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung, brach diese jedoch ab – inzwischen mehrfach. Anfangs ist sie engagiert, doch das lässt schnell nach.
Seit einigen Monaten weiß ich, dass sie regelmäßig konsumiert. Als ich sie darauf angesprochen habe, reagierte sie abweisend. Auch Freunde berichten davon. Vor kurzem kam sie verzweifelt zu mir. Sie hatte Angst vor der Zukunft und sogar vor dem Tod. Ich fühle mich hilflos und weiß nicht, wie ich ihr helfen kann. Diana, 46 Jahre.
Aus der Beratung von Psychologen Online
Was hinter dem Drogenkonsum Ihrer Tochter stecken kann
Als Mutter oder Vater erleben Sie in einer solchen Situation meist mehrere belastende Dinge gleichzeitig: die Sorge um die Gesundheit Ihres Kindes, Veränderungen im Verhalten und das Gefühl, immer weniger an Ihre Tochter heranzukommen. Besonders schwer ist es, wenn Sie beobachten, dass frühere Motivation und Zuversicht verloren gehen. Um die Situation angemessen einzuordnen, lohnt es sich, unterschiedliche Belastungsbereiche zunächst voneinander zu unterscheiden. Neben dem Drogenkonsum können auch andere Verhaltensweisen oder familiäre Veränderungen eine Rolle spielen, ohne dass sie automatisch dessen Ursache sind. Wenn die Smartphone-Nutzung zunehmend den Alltag bestimmt, kann es sinnvoll sein, zu überlegen, wie sich gesündere Smartphone-Gewohnheiten entwickeln lassen. Bei jüngeren Kindern und Jugendlichen können zudem klare Handyregeln für Kinder Orientierung geben. Steht insbesondere das ständige Lesen belastender Nachrichten im Vordergrund, kann es helfen, Doomscrolling stoppen besser verstehen zu können. Auch eine mögliche Videospielsucht sollte als eigenständiges Verhaltensmuster betrachtet werden. Auch die familiäre Situation kann für das Verständnis wichtig sein. Wenn beispielsweise eine Trennung der Eltern das Familienleben verändert hat oder aktuell prägt, kann die Frage relevant werden, wie sich eine Trennung mit Kindern verantwortungsvoll gestalten lässt. Solche Zusammenhänge sollten jedoch nicht vorschnell als Erklärung für den Drogenkonsum verstanden werden. Drogenkonsum entsteht selten aus nur einem einzigen Grund. Gerade in Übergangsphasen kann vieles zusammenkommen. Der Schritt von der Schule in Ausbildung oder Beruf bringt neue Anforderungen mit sich. Zukunftsfragen werden drängender, Erwartungen steigen und erste Misserfolge können das Selbstvertrauen erschüttern. Wenn Orientierung fehlt oder sich junge Menschen innerlich überfordert fühlen, können Selbstzweifel, Unsicherheit oder Leere stärker werden. Manche ziehen sich zurück, andere suchen Möglichkeiten, unangenehme Gefühle kurzfristig zu dämpfen oder sich von Problemen abzulenken. Mögliche Belastungsfaktoren können beispielsweise sein:- Überforderung in Schule, Ausbildung oder Beruf,
- fehlende Zukunftsperspektiven oder wiederholte Misserfolge,
- Konflikte mit Familie oder Freunden,
- Einsamkeit, Selbstzweifel oder starke innere Anspannung,
- der Wunsch nach Zugehörigkeit innerhalb einer Gruppe.
Wie Sie reagieren können, wenn Ihre Tochter Drogen nimmt
Auch wenn Sie sich hilflos fühlen, bleibt Ihr Verhalten als Elternteil wichtig. Ihre Tochter benötigt einerseits klare Grenzen, andererseits aber auch die Erfahrung, dass sie nicht nur über ihren Konsum wahrgenommen wird. Ein Gespräch sollte deshalb möglichst nicht in einer akuten Konfliktsituation stattfinden. Wenn Sie gerade sehr wütend oder Ihre Tochter offensichtlich berauscht ist, sind ausführliche Diskussionen meist wenig hilfreich. Warten Sie nach Möglichkeit auf einen ruhigeren Moment und sprechen Sie konkrete Beobachtungen an. Hilfreich sind vor allem folgende Grundsätze:- Drogenkonsum nicht verharmlosen, aber auf pauschale Beschimpfungen verzichten,
- konkrete Beobachtungen schildern statt Vermutungen als Tatsachen darzustellen,
- ruhig und klar bleiben, auch wenn Ihre Tochter zunächst abwehrend reagiert,
- Gesprächsbereitschaft erhalten, ohne den Konsum zu akzeptieren,
- eigene Grenzen deutlich machen, insbesondere wenn Geld, Gewalt oder andere Familienmitglieder betroffen sind.
Wenn Ihre Tochter keine Hilfe annimmt
Eltern stoßen besonders häufig an ihre Grenzen, wenn das eigene Kind jede Unterstützung ablehnt. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene empfinden Nachfragen manchmal als Kontrolle oder Kritik. Scham, Angst oder Überforderung können zusätzlich dazu führen, dass sie Probleme herunterspielen oder Gesprächen ausweichen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie vollkommen machtlos sind. Sie können Ihre Tochter nicht zwingen, offen über ihre Gefühle zu sprechen, aber Sie können Bedingungen schaffen, die Hilfe wahrscheinlicher machen. Überlegen Sie beispielsweise, ob es andere vertrauenswürdige Personen gibt, zu denen Ihre Tochter einen guten Zugang hat:- enge Verwandte,
- Freunde oder deren Eltern,
- Vertrauenspersonen aus Schule oder Ausbildung,
- Hausärztinnen oder Hausärzte,
- Beratungsstellen mit niedrigschwelligen Angeboten.
Wo Sie Unterstützung finden
Auch wenn Ihre Tochter aktuell keine professionelle Hilfe möchte, können Sie sich frühzeitig informieren. Dadurch sind Sie besser vorbereitet und wissen, welche Angebote zur Verfügung stehen, wenn Ihre Tochter später doch Unterstützung annehmen möchte. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise drugcom.de mit Informationen rund um Drogenkonsum und anonymen Beratungsangeboten. Professionelle Unterstützung ist besonders wichtig, wenn sich mehrere Warnzeichen häufen, etwa wenn Ihre Tochter:- immer häufiger oder größere Mengen konsumiert,
- Schule oder Ausbildung dauerhaft vernachlässigt,
- sich stark zurückzieht oder deutlich verändert wirkt,
- psychisch zunehmend instabil erscheint,
- von Hoffnungslosigkeit, Selbstverletzung oder Suizid spricht.
Fazit: Klar bleiben und die Beziehung erhalten
Wenn Ihre Tochter Drogen nimmt, ist weder völlige Kontrolle noch Wegschauen eine hilfreiche Dauerlösung. Eltern brauchen eine Haltung, die gleichzeitig klar und zugewandt ist: Der Konsum darf ernst genommen und begrenzt werden, ohne das Kind auf sein problematisches Verhalten zu reduzieren. Versuchen Sie, konkrete Veränderungen anzusprechen, Gesprächsmöglichkeiten offen zu halten und weitere Vertrauenspersonen einzubeziehen. Wenn Ihre Tochter professionelle Hilfe zunächst ablehnt, können Sie selbst Beratung in Anspruch nehmen und sich über passende Unterstützungsangebote informieren. Besonders wichtig sind dabei drei Grundgedanken:- Drogenkonsum ernst nehmen, ohne in Panik zu verfallen,
- klare Grenzen setzen und gleichzeitig ansprechbar bleiben,
- frühzeitig professionelle Unterstützung suchen, wenn die Situation sich verschärft.
Literaturempfehlungen
- Helmut Kuntz: Das SuchtBuch. Was Familien über Drogen und Suchtverhalten wissen müssen. Ratgeber für Familien zum Verständnis von Drogenkonsum, Suchtentwicklung und Möglichkeiten des Umgangs mit problematischem Konsum. Beltz, Weinheim, 2005.
- Klaus Hurrelmann & Gerlinde Unverzagt: Wenn es um Drogen geht. So helfen Sie Ihrem Kind und verlieren Ihre Panik. Ratgeber für Eltern zum Umgang mit Drogenkonsum bei Kindern und Jugendlichen und zu Möglichkeiten, angemessen auf problematischen Konsum zu reagieren. Herder, Freiburg, 2000.
- Pinquart, M. & Reeg, A. (2025): Associations of Parental Monitoring and Behavioral Control with Substance Use in Adolescents and Emerging Adults: A Meta-Analysis. Substance Use & Misuse, 60(10), 1497–1505.
- Kuntsche, S. & Kuntsche, E. (2016): Parent-based interventions for preventing or reducing adolescent substance use – A systematic literature review. Clinical Psychology Review, 45, 89–101.




