Amalia, 19 Jahre, weiblich
Ich möchte mich im Voraus für die Beantwortung meiner Frage bedanken und hoffe, dass diese auch anderen Menschen helfen kann, die mit ähnlichen Ängsten im Alltag zu kämpfen haben.
Seit längerer Zeit überkommt mich eine sehr intensive Angst, wenn ich mich in der Nähe bestimmter Männer befinde. Besonders dann, wenn ich an Männern vorbeigehen muss oder sie mir unerwartet sehr nah kommen, reagiert mein Körper extrem. Meine Beine fühlen sich plötzlich schwach an, mir wird schwindelig und ich verliere kurzzeitig die Orientierung.
Diese körperlichen Reaktionen treten innerhalb von Sekunden auf und gehen mit starkem Herzklopfen, Zittern und einem Gefühl von Kontrollverlust einher. Solche Symptome sind mir vor allem aus Situationen bekannt, in denen starke Angstzustände auftreten.
„Ich werde in absehbarer Zeit eine Ausbildung beginnen und möchte lernen, besser mit dieser Angst umzugehen.“
Besonders belastend ist es für mich, wenn ein Mann direkt hinter mir steht. Dann beginnen meine Hände zu zittern, mein Herz schlägt deutlich schneller und ich habe das Gefühl, jeden Moment umzufallen. Durch bewusste Atmung und das Fixieren eines Punktes gelingt es mir manchmal, mich wieder zu stabilisieren.
Sehr beängstigend sind auch einzelne Situationen nachts oder nach Alkoholkonsum, in denen ich das Gefühl habe, meine Beine nicht mehr zu spüren. Diese Erfahrungen lösen große Panik in mir aus.
Da ich perspektivisch eine Ausbildung beginnen möchte, beschäftigt mich die Frage, wie ich im Alltag besser mit diesen Angstsymptomen umgehen kann. Ich frage mich, wie sich diese Angst erklären lässt und ob es Möglichkeiten gibt, wieder mehr Sicherheit zu gewinnen. Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass diese Angst nicht bei allen Männern auftritt, sondern stark situationsabhängig ist.
Antwort von Psychologen Online
Liebe Amalia, vielen Dank für Ihre ausführliche Schilderung. Sie beschreiben typische körperliche und emotionale Reaktionen, wie sie im Rahmen einer Angststörung auftreten können.
Angst ist grundsätzlich eine sinnvolle Schutzreaktion des Körpers. Sie hilft uns, potenzielle Gefahren frühzeitig wahrzunehmen. Problematisch wird es dann, wenn dieser Mechanismus auch in Situationen aktiv wird, die objektiv nicht gefährlich sind.
In solchen Fällen entsteht ein Kreislauf aus Körperempfindungen, Gedanken und Wahrnehmungen, der sich gegenseitig verstärkt. Viele Betroffene erleben dabei eine sogenannte Angst vor der Angst, also die Sorge vor dem erneuten Auftreten der Symptome.
Wenn Angst den Alltag einschränkt
Angst kann sehr unterschiedliche Auslöser haben, etwa belastende Erfahrungen, bestimmte Lernerfahrungen oder eine erhöhte innere Anspannung. Viele Menschen entwickeln Strategien, um ihre Angst zu kontrollieren – so wie Sie es bereits durch bewusste Beruhigung tun.
Problematisch wird es dann, wenn Angst dazu führt, dass Situationen zunehmend vermieden werden. Dadurch kann sich der Handlungsspielraum immer weiter verengen.
Professionelle Unterstützung in Betracht ziehen
Wenn Sie merken, dass die Angst einen großen Einfluss auf Ihre Lebensplanung und Ihren Alltag hat, kann professionelle Unterstützung sehr hilfreich sein. In einer psychotherapeutischen Begleitung lassen sich die individuellen Auslöser, Gedankenmuster und körperlichen Reaktionen genauer betrachten.
Eine verhaltenstherapeutische Behandlung kann dabei unterstützen, neue Erfahrungen zu machen und die Angstreaktionen schrittweise wieder zu verlernen. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Hausarzt, der Sie entsprechend beraten kann.
Ich wünsche Ihnen viel Zuversicht und alles Gute auf Ihrem weiteren Weg.
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Klemens Lühr ist Psychologe, systemischer Berater und Coach und lebt in Dortmund.
- Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.
Der jeweilige Blog-Artikel wurde unentgeltlich von einer Psychologin oder einem Psychologen von Psychologen Online verfasst. Er gibt die persönliche fachliche Einschätzung der Autorin bzw. des Autors wieder, die auf einer fundierten Ausbildung sowie praktischer Beratungs- und gegebenenfalls Therapieerfahrung basiert.
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