In diesem Artikel erfahren Sie:
Meine 17-jährige Tochter war früher motiviert und erfolgreich. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung, brach diese jedoch ab – inzwischen mehrfach. Anfangs ist sie engagiert, doch das lässt schnell nach.
Seit einigen Monaten weiß ich, dass sie regelmäßig konsumiert. Als ich sie darauf angesprochen habe, reagierte sie abweisend. Auch Freunde berichten davon. Vor kurzem kam sie verzweifelt zu mir. Sie hatte Angst vor der Zukunft und sogar vor dem Tod. Ich fühle mich hilflos und weiß nicht, wie ich ihr helfen kann. Diana, 46 Jahre.
Was hinter dem Drogenkonsum Ihrer Tochter stecken kann
Sorgen und Veränderungen besser einordnen
Als Mutter oder Vater erleben Sie in einer solchen Situation häufig mehrere Belastungen gleichzeitig. Neben der Sorge um die Gesundheit Ihres Kindes können Veränderungen im Verhalten, Konflikte im Alltag und das Gefühl hinzukommen, Ihr Kind immer schlechter zu erreichen.
Besonders belastend ist es, wenn frühere Motivation, Interessen oder Zuversicht scheinbar verloren gehen. Um die Situation besser einordnen zu können, hilft es oft, unterschiedliche Belastungsbereiche zunächst getrennt zu betrachten.
Mögliche Einflussfaktoren im Alltag
Nicht jede Veränderung steht automatisch in direktem Zusammenhang mit dem Drogenkonsum. Mögliche Einflussfaktoren können beispielsweise sein:
- veränderte Freizeitgewohnheiten
- erhöhter Medien- und Smartphone-Konsum
- familiäre Belastungen oder Konflikte
- schulische, berufliche oder soziale Herausforderungen
Wenn die Smartphone-Nutzung zunehmend den Alltag bestimmt, kann es sinnvoll sein, gesündere Smartphone-Gewohnheiten zu entwickeln . Bei jüngeren Kindern und Jugendlichen können zudem klare Handyregeln für Kinder Orientierung und Struktur bieten.
Steht vor allem der Konsum belastender Nachrichten im Vordergrund, kann es hilfreich sein, Doomscrolling besser zu verstehen und zu reduzieren . Auch eine mögliche Videospielsucht sollte als eigenständiges Verhaltensmuster betrachtet werden.
Die Bedeutung des familiären Umfelds
Ebenso lohnt sich ein Blick auf die familiäre Situation. Veränderungen im Familienleben können das Wohlbefinden eines Kindes oder Jugendlichen beeinflussen, ohne zwangsläufig die Ursache des Drogenkonsums zu sein.
Relevant können dabei unter anderem sein:
- eine Trennung der Eltern
- häufige Konflikte innerhalb der Familie
- Verluste oder andere belastende Lebensereignisse
- Veränderungen des sozialen Umfelds
Wenn eine Trennung das Familienleben aktuell prägt, kann die Frage wichtig werden, wie sich eine Trennung mit Kindern verantwortungsvoll gestalten lässt. Solche Zusammenhänge sollten jedoch nicht vorschnell als Erklärung für den Drogenkonsum verstanden werden.
Belastende Übergangsphasen im Leben
Drogenkonsum entsteht selten aus nur einem einzigen Grund. Oft wirken verschiedene Belastungen und Entwicklungen gleichzeitig zusammen.
Besonders Übergangsphasen können herausfordernd sein:
- der Wechsel von der Schule in Ausbildung oder Beruf
- wachsende Erwartungen an die eigene Zukunft
- erste Misserfolge oder Enttäuschungen
- Unsicherheit über den weiteren Lebensweg
Wenn Orientierung fehlt oder sich junge Menschen innerlich überfordert fühlen, können Selbstzweifel, Unsicherheit oder Gefühle von Leere stärker werden. Manche ziehen sich zurück, andere suchen nach Möglichkeiten, belastende Gefühle kurzfristig zu dämpfen oder sich von Problemen abzulenken.
Umso wichtiger ist es, nicht nur den Drogenkonsum selbst zu betrachten, sondern auch die persönlichen, familiären und sozialen Belastungen, die gleichzeitig bestehen können. Eine differenzierte Betrachtung schafft oft die Grundlage dafür, passende Unterstützungsmöglichkeiten zu erkennen.
Häufige Belastungsfaktoren bei Jugendlichen
Mögliche Belastungsfaktoren können beispielsweise sein:
- Überforderung in Schule, Ausbildung oder Beruf,
- fehlende Zukunftsperspektiven oder wiederholte Misserfolge,
- Konflikte mit Familie oder Freunden,
- Einsamkeit, Selbstzweifel oder starke innere Anspannung,
- der Wunsch nach Zugehörigkeit innerhalb einer Gruppe.
Diese Faktoren erklären einen Konsum möglicherweise mit, entschuldigen ihn aber nicht. Vor allem sollten Eltern nicht versuchen, aus einzelnen Beobachtungen selbst eine Diagnose abzuleiten.
Entscheidend ist vielmehr, das gesamte Verhalten und mögliche Veränderungen ernst zu nehmen und die Situation mit einem möglichst offenen Blick zu betrachten.
Wie Sie reagieren können, wenn Ihre Tochter Drogen nimmt
Auch wenn Sie sich hilflos fühlen, bleibt Ihr Verhalten als Elternteil wichtig. Ihre Tochter benötigt einerseits klare Grenzen, andererseits aber auch die Erfahrung, dass sie nicht nur über ihren Konsum wahrgenommen wird. Ein Gespräch sollte deshalb möglichst nicht in einer akuten Konfliktsituation stattfinden. Wenn Sie gerade sehr wütend oder Ihre Tochter offensichtlich berauscht ist, sind ausführliche Diskussionen meist wenig hilfreich. Warten Sie nach Möglichkeit auf einen ruhigeren Moment und sprechen Sie konkrete Beobachtungen an. Hilfreich sind vor allem folgende Grundsätze:- Drogenkonsum nicht verharmlosen, aber auf pauschale Beschimpfungen verzichten,
- konkrete Beobachtungen schildern statt Vermutungen als Tatsachen darzustellen,
- ruhig und klar bleiben, auch wenn Ihre Tochter zunächst abwehrend reagiert,
- Gesprächsbereitschaft erhalten, ohne den Konsum zu akzeptieren,
- eigene Grenzen deutlich machen, insbesondere wenn Geld, Gewalt oder andere Familienmitglieder betroffen sind.
Wenn Ihre Tochter keine Hilfe annimmt
Eltern stoßen besonders häufig an ihre Grenzen, wenn das eigene Kind jede Unterstützung ablehnt. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene empfinden Nachfragen manchmal als Kontrolle oder Kritik. Scham, Angst oder Überforderung können zusätzlich dazu führen, dass sie Probleme herunterspielen oder Gesprächen ausweichen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie vollkommen machtlos sind. Sie können Ihre Tochter nicht zwingen, offen über ihre Gefühle zu sprechen, aber Sie können Bedingungen schaffen, die Hilfe wahrscheinlicher machen. Überlegen Sie beispielsweise, ob es andere vertrauenswürdige Personen gibt, zu denen Ihre Tochter einen guten Zugang hat:- enge Verwandte,
- Freunde oder deren Eltern,
- Vertrauenspersonen aus Schule oder Ausbildung,
- Hausärztinnen oder Hausärzte,
- Beratungsstellen mit niedrigschwelligen Angeboten.
Wo Sie Unterstützung finden
Auch wenn Ihre Tochter aktuell keine professionelle Hilfe möchte, können Sie sich frühzeitig informieren. Dadurch sind Sie besser vorbereitet und wissen, welche Angebote zur Verfügung stehen, wenn Ihre Tochter später doch Unterstützung annehmen möchte. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise drugcom.de mit Informationen rund um Drogenkonsum und anonymen Beratungsangeboten. Professionelle Unterstützung ist besonders wichtig, wenn sich mehrere Warnzeichen häufen, etwa wenn Ihre Tochter:- immer häufiger oder größere Mengen konsumiert,
- Schule oder Ausbildung dauerhaft vernachlässigt,
- sich stark zurückzieht oder deutlich verändert wirkt,
- psychisch zunehmend instabil erscheint,
- von Hoffnungslosigkeit, Selbstverletzung oder Suizid spricht.
Fazit: Klar bleiben und die Beziehung erhalten
Wenn Ihre Tochter Drogen nimmt, ist weder völlige Kontrolle noch Wegschauen eine hilfreiche Dauerlösung. Eltern brauchen eine Haltung, die gleichzeitig klar und zugewandt ist: Der Konsum darf ernst genommen und begrenzt werden, ohne das Kind auf sein problematisches Verhalten zu reduzieren. Versuchen Sie, konkrete Veränderungen anzusprechen, Gesprächsmöglichkeiten offen zu halten und weitere Vertrauenspersonen einzubeziehen. Wenn Ihre Tochter professionelle Hilfe zunächst ablehnt, können Sie selbst Beratung in Anspruch nehmen und sich über passende Unterstützungsangebote informieren. Besonders wichtig sind dabei drei Grundgedanken:- Drogenkonsum ernst nehmen, ohne in Panik zu verfallen,
- klare Grenzen setzen und gleichzeitig ansprechbar bleiben,
- frühzeitig professionelle Unterstützung suchen, wenn die Situation sich verschärft.
Literaturempfehlungen
- Helmut Kuntz: Das SuchtBuch. Was Familien über Drogen und Suchtverhalten wissen müssen. Ratgeber für Familien zum Verständnis von Drogenkonsum, Suchtentwicklung und Möglichkeiten des Umgangs mit problematischem Konsum. Beltz, Weinheim, 2005.
- Klaus Hurrelmann & Gerlinde Unverzagt: Wenn es um Drogen geht. So helfen Sie Ihrem Kind und verlieren Ihre Panik. Ratgeber für Eltern zum Umgang mit Drogenkonsum bei Kindern und Jugendlichen und zu Möglichkeiten, angemessen auf problematischen Konsum zu reagieren. Herder, Freiburg, 2000.
- Pinquart, M. & Reeg, A. (2025): Associations of Parental Monitoring and Behavioral Control with Substance Use in Adolescents and Emerging Adults: A Meta-Analysis. Substance Use & Misuse, 60(10), 1497–1505.
- Kuntsche, S. & Kuntsche, E. (2016): Parent-based interventions for preventing or reducing adolescent substance use – A systematic literature review. Clinical Psychology Review, 45, 89–101.





