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Prokrastination überwinden: Wie kann ich mich besser motivieren?

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Eine wichtige Aufgabe liegt seit Tagen auf dem Schreibtisch. Die Deadline rückt näher – trotzdem werden erst E-Mails beantwortet, der Arbeitsplatz aufgeräumt oder Nachrichten auf dem Smartphone gelesen. Obwohl klar ist, dass das Aufschieben den Druck nur erhöht, fällt der Einstieg immer schwerer.

Schnell entsteht der Eindruck, es fehle einfach an Disziplin. Doch Prokrastination ist häufig komplexer als bloße Bequemlichkeit. Gerade umfangreiche, unangenehme oder emotional belastende Aufgaben können eine innere Hürde erzeugen. Hinzu kommen Ablenkungen, Erschöpfung und die Gewöhnung an schnelle Belohnungen.

Wer Prokrastination überwinden möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich versuchen, sich zu mehr Disziplin zu zwingen. Hilfreicher ist es, zunächst zu verstehen, warum eine bestimmte Aufgabe immer wieder aufgeschoben wird – und anschließend die Bedingungen so zu verändern, dass der Einstieg leichter fällt.

 

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Ich schiebe wichtige Aufgaben bei der Arbeit oft tagelang vor mir her, obwohl ich genau weiß, dass sie erledigt werden müssen. Je länger ich warte, desto größer werden Druck und schlechtes Gewissen. Ich frage mich inzwischen, ob dahinter mehr steckt als nur mangelnde Disziplin.“

Aus der Beratung von Psychologen Online

Warum wir wichtige Aufgaben immer wieder aufschieben

Prokrastination bezeichnet das unnötige Aufschieben einer eigentlich wichtigen oder notwendigen Handlung, obwohl dadurch Nachteile entstehen können. Typisch ist dabei, dass wir nicht unbedingt untätig sind. Stattdessen beschäftigen wir uns mit Dingen, die im jeweiligen Moment leichter, angenehmer oder überschaubarer erscheinen.

Gerade große Aufgaben können eine solche Reaktion begünstigen. „Ich muss den Bericht schreiben“ oder „Ich muss für die Prüfung lernen“ beschreibt kein konkretes Verhalten, sondern ein umfangreiches Projekt. Solange nicht klar ist, womit genau begonnen werden soll, kann bereits der Gedanke daran Überforderung auslösen. Steht das Aufschieben vor allem im Zusammenhang mit beruflicher Belastung, kann es zusätzlich sinnvoll sein zu prüfen, ob Sie grundsätzlich unzufrieden im Job sind oder wiederkehrende Konflikte mit Kollegen besser verstehen und lösen sollten.

Hinter dem Aufschieben können unterschiedliche Faktoren stehen:

  • Überforderung: Die Aufgabe erscheint zu groß oder unübersichtlich.
  • Versagensangst: Es besteht die Sorge, den eigenen oder fremden Erwartungen nicht gerecht zu werden.
  • Perfektionismus: Ein sehr hoher Anspruch erschwert bereits den Anfang.
  • Unlust: Kurzfristig angenehmere Tätigkeiten erscheinen attraktiver.
  • Fehlende Struktur: Es ist unklar, welcher Arbeitsschritt zuerst erfolgen soll.
  • Erschöpfung: Für eine anspruchsvolle Tätigkeit fehlt momentan die notwendige mentale Energie.

Welche Strategie hilfreich ist, hängt deshalb von der Ursache ab. Bei anhaltender Erschöpfung lohnt es sich beispielsweise, zusätzlich auf mögliche Warnsignale von chronischem Stress zu achten. Stehen dagegen Versagensangst oder starke Selbstzweifel im Vordergrund, kann es hilfreich sein, gezielt ein stabileres Selbstwertgefühl zu entwickeln. Bei einer insgesamt hohen Belastung können wiederum wirksame Wege zum Stressabbau den Umgang mit anspruchsvollen Aufgaben erleichtern.

Kleinere Tätigkeiten wirken dagegen häufig attraktiver. Eine E-Mail lässt sich beantworten und anschließend abhaken. Der große Bericht bleibt hingegen auch nach einer Stunde Arbeit noch unfertig. Kleine Aufgaben liefern dadurch schneller das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Hinzu kommt ein psychologisch wichtiger Mechanismus: Das Aufschieben kann kurzfristig unangenehme Gefühle reduzieren. Eine schwierige Aufgabe löst vielleicht Unsicherheit, Langeweile, Stress oder Angst vor dem Scheitern aus. Wird sie vertagt, lässt diese Anspannung zunächst nach.

Langfristig hat das allerdings seinen Preis. Die Aufgabe bleibt bestehen, die verbleibende Zeit wird kürzer und der Druck steigt. Aus einem kurzfristigen Gefühl der Erleichterung kann so ein Kreislauf aus Aufschieben, Stress und Selbstvorwürfen entstehen.

Statt sich deshalb zu fragen „Warum bin ich so undiszipliniert?“, ist häufig eine andere Frage hilfreicher:

„Was macht es mir gerade so schwer, mit dieser Aufgabe anzufangen?“

Diese Perspektive lenkt den Blick weg von pauschaler Selbstkritik und hin zu den konkreten Bedingungen, die das eigene Verhalten beeinflussen.

Prokrastination, Erschöpfung und digitale Ablenkung

Nicht jedes Aufschieben hat dieselbe Ursache. Manchmal ist eine Aufgabe schlecht strukturiert. In anderen Situationen fehlt tatsächlich die notwendige mentale Energie.

Der Alltag verlangt kontinuierlich Aufmerksamkeit. Nachrichten, E-Mails, berufliche Kommunikation, soziale Medien und ständig verfügbare Informationen konkurrieren miteinander. Wer bereits zahlreiche Entscheidungen getroffen und Informationen verarbeitet hat, kann später am Tag Schwierigkeiten haben, sich auf eine anspruchsvolle Aufgabe zu konzentrieren.

Was wie Prokrastination aussieht, kann deshalb teilweise auch mit Erschöpfung zusammenhängen.

Ein genauer Blick auf das eigene Verhalten kann helfen. Fragen Sie sich beispielsweise:

  • Schiebe ich vor allem besonders große oder komplexe Aufgaben auf?
  • Greife ich zum Smartphone, sobald eine Tätigkeit unangenehm wird?
  • Kann ich mich zu bestimmten Tageszeiten deutlich besser konzentrieren?
  • Bin ich bereits erschöpft, bevor ich überhaupt anfange?
  • Erledige ich stattdessen bevorzugt kleine Aufgaben, die schnelle Erfolgserlebnisse bieten?

Hinzu kommt die digitale Umgebung. Smartphone, soziale Netzwerke, Nachrichten und kurze Videos ermöglichen es, einer anstrengenden Aufgabe innerhalb von Sekunden auszuweichen. Diese Angebote liefern schnelle und wechselnde Reize. Eine komplexe Aufgabe funktioniert hingegen häufig genau andersherum: Sie verlangt zunächst Konzentration und Anstrengung, während das eigentliche Erfolgserlebnis erst deutlich später eintritt.

Die Gewöhnung an schnelle Verfügbarkeit kann diesen Gegensatz zusätzlich verstärken. Informationen erscheinen sofort, Nachrichten werden unmittelbar beantwortet und neue Inhalte stehen jederzeit bereit. Eine Tätigkeit, deren Ergebnis erst nach längerer konzentrierter Arbeit sichtbar wird, kann sich dadurch besonders mühsam anfühlen.

Um die Wahrscheinlichkeit von Ablenkungen zu reduzieren, können einfache Veränderungen helfen:

  • Benachrichtigungen während konzentrierter Arbeitsphasen ausschalten,
  • das Smartphone außer Sicht- und Reichweite legen,
  • unnötige Browserfenster schließen,
  • feste Zeiten für E-Mails und Nachrichten einplanen,
  • konzentrierte Arbeitszeiten bewusst von Pausen trennen.

Dabei geht es nicht darum, sämtliche Ablenkungen aus dem Alltag zu verbannen. Entscheidend ist vielmehr, Bedingungen zu schaffen, unter denen Konzentration überhaupt möglich wird.

Große Aufgaben kleiner machen: Der Einstieg entscheidet

Eine der hilfreichsten Strategien gegen Prokrastination besteht darin, große Aufgaben nicht länger als eine einzige Einheit zu betrachten.

„Steuererklärung machen“, „Präsentation vorbereiten“ oder „Abschlussarbeit schreiben“ sind streng genommen keine einzelnen Aufgaben. Dahinter verbergen sich zahlreiche kleinere Arbeitsschritte. Solange diese unsichtbar bleiben, kann das gesamte Projekt wie ein kaum zu bewältigender Berg wirken.

Aus der Aufgabe „Präsentation erstellen“ könnten beispielsweise folgende Schritte werden:

  • Thema und Ziel festlegen,
  • vorhandene Informationen zusammentragen,
  • fünf zentrale Aussagen notieren,
  • eine grobe Gliederung erstellen,
  • die ersten Folien entwerfen,
  • Beispiele und Grafiken ergänzen,
  • die Präsentation abschließend überarbeiten.

Aus einem großen Projekt wird dadurch eine Folge konkreter Handlungen. Der entscheidende Punkt ist: Der erste Schritt sollte so klein sein, dass die innere Einstiegshürde deutlich sinkt.

Statt sich vorzunehmen, zwei Stunden an einem Bericht zu arbeiten, könnte der erste Schritt lediglich darin bestehen, das Dokument zu öffnen und drei Stichpunkte zu notieren. Das klingt zunächst unspektakulär. Psychologisch kann genau diese Reduzierung jedoch hilfreich sein, weil nicht mehr das gesamte Projekt bewältigt werden muss, sondern nur eine konkrete Handlung.

Wer einmal angefangen hat, erlebt häufig, dass das Weiterarbeiten leichter fällt als der eigentliche Start. Das bedeutet nicht, dass eine unangenehme Tätigkeit plötzlich Spaß macht. Der Übergang vom Nachdenken zum Handeln ist jedoch geschafft.

Auch selbst gesetzte Zwischenfristen können helfen. Wer nur einen einzigen Endtermin kennt, kann den Arbeitsbeginn leichter immer weiter nach hinten verschieben. Mehrere überschaubare Etappen machen Fortschritte dagegen sichtbar.

Hilfreich sind beispielsweise ein realistischer Endtermin, konkrete Zwischenziele und fest eingeplante Arbeitsphasen. Ebenso wichtig sind bewusste Pausen. Ein Tagesplan, der jede freie Minute mit Aufgaben füllt, erzeugt möglicherweise genau jene Überforderung, die das Aufschieben anschließend erneut begünstigt.

Hilfreiche Frage für den nächsten Schritt:
Was ist die kleinste konkrete Handlung, mit der ich jetzt beginnen kann?

Zusätzlich lohnt es sich, die eigene Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen. Wer weiß, dass komplexe Aufgaben vormittags leichter fallen, kann diese möglichst in dieses Zeitfenster legen. Routineaufgaben wie E-Mails, Ablage oder kleinere organisatorische Tätigkeiten lassen sich dagegen häufig auch in Phasen geringerer Konzentration erledigen.

Prokrastination überwinden, ohne sich ständig unter Druck zu setzen

Wer weniger aufschieben möchte, reagiert häufig zunächst mit strengeren Regeln: mehr Disziplin, längere To-do-Listen und höhere Ansprüche. Kurzfristig kann das funktionieren. Bei sehr hohen Anforderungen kann jedoch zusätzlicher Druck entstehen.

Das Ziel muss deshalb nicht darin bestehen, überhaupt nie mehr etwas aufzuschieben. Pausen, gedankliche Umwege und unproduktive Phasen gehören zum Alltag. Nicht jedes Aufschieben ist automatisch problematisch.

Relevant wird Prokrastination vor allem dann, wenn wichtige Aufgaben regelmäßig unerledigt bleiben, Termine nicht eingehalten werden oder das Aufschieben zunehmend mit Stress, Schuldgefühlen und Einschränkungen verbunden ist.

Ein konstruktiver Umgang kann in fünf einfachen Schritten bestehen:

  1. Aufschieben wahrnehmen: Was mache ich gerade statt der eigentlichen Aufgabe?
  2. Ursache prüfen: Bin ich erschöpft, überfordert, gelangweilt oder unsicher?
  3. Aufgabe verkleinern: Was ist der kleinste sinnvolle nächste Schritt?
  4. Ablenkungen reduzieren: Welche äußeren Reize kann ich für eine begrenzte Zeit entfernen?
  5. Neu beginnen: Nicht den verlorenen Nachmittag bewerten, sondern die nächste Handlung starten.

Ebenso wichtig ist ein realistischer Umgang mit der eigenen Leistungsfähigkeit. Es kann hilfreicher sein, für 30 oder 45 Minuten konzentriert an einer Aufgabe zu arbeiten, als sich mehrere Stunden ununterbrochene Produktivität vorzunehmen und bereits an diesem Anspruch zu scheitern.

Auch Selbstkritik kann Prokrastination verstärken. Wer sich nach jedem Aufschieben sagt „Ich bekomme nichts hin“, verbindet die betreffende Aufgabe zunehmend mit negativen Gefühlen. Beim nächsten Versuch muss dann nicht nur die Aufgabe bewältigt werden, sondern zusätzlich die Erwartung, erneut zu scheitern.

Bewusste Erholung ist deshalb nicht dasselbe wie Prokrastination. Wer tatsächlich erschöpft ist, benötigt unter Umständen keine weitere Produktivitätstechnik, sondern eine Pause. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob Erholung bewusst gewählt wird oder ob unangenehme Aufgaben immer wieder vermieden werden und dadurch zusätzlicher Druck entsteht.

Wenn starkes Aufschieben über längere Zeit Ausbildung, Beruf oder Alltag beeinträchtigt und erheblichen Leidensdruck verursacht, kann eine professionelle Abklärung sinnvoll sein. Prokrastination kann unter anderem gemeinsam mit psychischer Belastung, Angst, depressiven Beschwerden oder Aufmerksamkeitsproblemen auftreten. Eine pauschale Selbstdiagnose ist jedoch nicht sinnvoll. Entscheidend ist die individuelle Situation. Eine psychologische Beratung zur persönlichen Entwicklung kann dabei unterstützen, die individuellen Ursachen und Veränderungsmöglichkeiten genauer zu betrachten.

Fazit: Prokrastination verstehen und gezielt verändern

Prokrastination lässt sich selten allein dadurch überwinden, dass wir uns vornehmen, künftig disziplinierter zu sein. Hinter dem Aufschieben kann eine Kombination aus Überforderung, unangenehmen Emotionen, Erschöpfung, fehlender Struktur und leicht verfügbaren Ablenkungen stehen.

Wer regelmäßig Aufgaben aufschiebt, sollte deshalb zunächst beobachten, wann und bei welchen Tätigkeiten dies besonders häufig geschieht. Große Projekte in kleine Schritte zu zerlegen, Ablenkungen während konzentrierter Arbeitsphasen zu reduzieren und anspruchsvolle Aufgaben an die eigene Leistungsfähigkeit anzupassen, kann den Einstieg deutlich erleichtern.

Vor allem muss das Ziel nicht darin bestehen, jede Minute produktiv zu nutzen. Prokrastination zu überwinden bedeutet nicht, niemals mehr etwas aufzuschieben. Es bedeutet, wichtige Aufgaben trotz innerer Widerstände rechtzeitig beginnen und Schritt für Schritt zu Ende bringen zu können.

 

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Literaturempfehlungen

  • Höcker, Anna; Engberding, Margarita & Rist, Fred (2021): Heute fange ich wirklich an! Prokrastination und Aufschieben überwinden – ein Ratgeber. 2. Auflage, Hogrefe. Ein praxisnaher Ratgeber, der psychologische Erklärungsmodelle mit konkreten Strategien zur Selbstbeobachtung, Planung und Veränderung des Aufschiebeverhaltens verbindet.
  • Rückert, Hans-Werner (2014): Schluss mit dem ewigen Aufschieben. Wie Sie umsetzen, was Sie sich vornehmen. Campus Verlag. Das Buch richtet sich an Betroffene und beschäftigt sich damit, wie sich wiederkehrendes Aufschieben verstehen und im Alltag verändern lässt.

Autor/in

Ines Walter
Fachliche Schwerpunkte
Ich bin für Sie da bei Themen zur Gesundheits- und Burnoutprävention, Bewältigung von belastenden Situationen wie Mobbing, Bossing oder allgemeiner Stresssymptomatik sowie bei Fragen zur beruflichen (Weiter-)Entwicklung und Begleitung von persönlichen und organisationalen Veränderungsprozessen. Ich arbeite als systemische Supervisorin und Beraterin mit Führungskräften, Teams und in Organisationen und als Gestalt- und Traumatherapeutin in freier Praxis in Berlin.

Hinweis

Die Antworten im Blog von Psychologen Online dienen als erste Orientierung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und stellen keine ausreichende Unterstützung bei schweren psychischen Erkrankungen dar.

Der jeweilige Blog-Artikel wurde unentgeltlich von einer Psychologin oder einem Psychologen von Psychologen Online verfasst. Er gibt die persönliche fachliche Einschätzung der Autorin bzw. des Autors wieder, die auf einer fundierten Ausbildung sowie praktischer Beratungs- und gegebenenfalls Therapieerfahrung basiert.

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