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Sich wehren und die eigenen Kinder schützen


Aleilio, weiblich, 23 Jahre

Hallo, ich habe ein großes Problem, seitdem meine Mutter sich von meinem Vater trennte. Der neuen Mann in unsere Familie hatte mich sehr schlimm behandelt - damals war ich 9 und mein kleiner Bruder war 2. Er war sehr aggressiv und gewalttätig. Wir hatten immer Angst vor seinen Reaktionen. Trotz allem war ein sehr aufgewecktes Kind - keiner konnte mich bändigen, sagt meine Mutter. Ich selbst kann mich selber nicht mehr an meine Kindheit so wirklich erinnern.

Mittlerweile habe ich zwei Kinder. Ich selbst bin sehr schüchtern und kann Fremden kaum die Stirn bieten. Heute gab es einen Vorfall mit meinem älteren Kind und einer erwachsenen Frau. Eine Ärztin behandelte mein Kind schlecht, aber ich traute mich nicht, etwas zu sagen. Dafür fühle ich mich so schlecht. Dabei sollte ich doch meine Kinder schützen. Das macht mich so wütend und traurig. Ich hoffe sehr dass ihr mir helfen könnt oder mir Tipps geben könnt was ich tun kann. Liebe Grüße

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Antwort von Psychologen Online

Liebe Aleilio, vielleicht ist es nachvollziehbar, dass Sie sich zu einem schüchternen Menschen entwickelt haben. Mal angenommen, dass Sie in einer Phase Ihrer Kindheit wenig Sicherheit erlebt haben. Auch angennommen, dass Sie nur durch Anpassung den Gewalttätigkeiten des neuen Partners Ihrer Mutter entgehen konnten. Und angenommen, dass auch Ihre Mutter Ihnen damals kaum Hilfe bieten konnte, nicht ihre Kinder schützen konnte - was Ihre Verunsicherung noch verstärkt haben dürfte.

Sammeln Sie positive Rückmeldungen

Sie haben nun noch etwas Nachholbedarf, was Ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein betrifft. Ein paar Gedankenanstöße können Ihnen mögliche Wege aufzeigen: Ihre Mutter beschrieb Sie als lebhaftes, aufgewecktes Kindes. Gibt es weitere Menschen, zu denen Sie als Kind einen guten Draht hatten und mit denen Sie über Ihre Kindheit sprechen können? Vielleicht erfahren Sie mehr positive Dinge über sich. Sie können auch überlegen, welche Stärken Sie heute haben, bzw. andere Menschen (Ihren Mann, Ihre Kinder und Freunde) dazu befragen. Machen Sie eine Liste und ergänzen Sie alles, was Sie Gutes über sich erfahren. Ein Weg für den Aufbau Ihres Selbstwertgefühls.

Zusätzlich können Sie einige Imaginationsübungen machen. Nehmen Sie in der Vorstellung Ihr eigenes inneres Kind an die Hand und versichern ihm, dass Sie sich jetzt selbst um das kleine Mädchen kümmern werden. Denn erst wenn Sie sich selbst nicht mehr anderen Menschen schutzlos ausgeliefert fühlen, können Sie von sich erwarten, auch Ihre Kinder schützen zu können. Hilfreich ist die Vorstellung eines sicheren inneren Ortes, an dem Sie bzw. ihr kleines inneres Kind sich geborgen fühlen kann. Dieser Ort kann ein real existierender oder auch nur vorgestellter Ort sein – ganz ohne andere Menschen. Machen Sie immer mal wieder eine Gedankenreise an diesen Ort und erleben Sie die Geborgenheit und Sicherheit dort. Irgendwann gelingt es Ihnen vielleicht sogar, sich in Situationen, die Sie verunsichern, gedanklich an diesen Ort zu bringen, und damit nicht völlig verschüchtert zu reagieren.

Kinder schützen gegen schlechte Behandlung

Sich wehren - angemessen gegen Kritik oder schlechte Behandlung (auch was Ihre Kinder betrifft), dafür kann ein stufenweises Training hilfreich sein, d.h. Sie üben zunächst in Situationen, die Ihnen etwas leichter fallen, oder machen ein Rollenspiel mit einer Freundin. Ein Therapeut oder Berater könnte Sie hier sehr sinnvoll unterstützen. Wenn man minderjährige Kinder hat, kann man z.B. kostenlose Beratungssitzungen in einer Beratungsstelle in Anspruch nehmen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

  • Elke Aliatakis ist Psychologin und systemische Therapeutin und lebt in Herrenberg.

  • Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
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