Beziehung 2.0 – wie klappt der zweite Anlauf?

Antwort von Nora Thiemann

Haustier, weiblich, 20 Jahre

Ich hatte eine Beziehung die nach 3 Jahren zu Ende ging. Wir haben uns eigentlich im Guten getrennt (soweit so etwas überhaupt gibt) es hat einfach nicht mehr gepasst wie man so schön sagt. Es wurde alles Selbstverständlich wir haben nichts mehr unternommen und wenn wir uns gesehen haben, haben wir uns eigentlich nur gestritten. Zudem kam noch dazu, dass er seinen Fachwirt gemacht hat und keine Zeit mehr für mich hatte. Wenn er Zeit hatte ist er mit seinen Freunden zum Feiern gegangen. Die Trennung war im Juni. Nach der Trennung hat mir eine Freundin gesagt „Er hat dich eh betrogen“ ich habe ihn darauf angesprochen und gefragt ob des stimmt, und er hat es auch zugegeben. Da war ich wirklich enttäuscht, weil ich ihm das nie zugetraut hätte. Dann wurde es Oktober und ich bin von Zuhause ausgezogen in meine eigene erste Wohnung (man muss dazusagen ich habe diese Wohnung ursprünglich für mich und meinen Freund gekauft damit wir zusammenziehen konnten - in eine gemeinsame Wohnung. Als dies ja nichts geworden ist bin ich trotzdem ausgezogen) Seitdem bin ich noch wütender auf Ihn. Denn ich stemme das finanziell komplett alleine was nicht gerade leicht ist da ich einen Kredit aufnehmen musste. Zudem musste ich die Wohnung Renovieren da sie in einem Zustand hinterlassen wurde den man nicht beschreiben kann. Ich habe einen Zweitjob als Bedienung angefangen und arbeite so oft ich kann damit ich das alles schaffe.

Wären wir zu zweit gewesen hätten sich die kosten halbiert. Ich hörte auch von anderen das mein ex Freund nie die Absicht hatte mit mir da einzuziehen. Dann Mitte Oktober hat er mir per WhatsApp geschrieben das ich nicht besser sei wie er und ihn genauso betrogen hätte (was nicht stimmt). In dieser Nachricht wurde ich beschimpft. Ich habe ihm dann versucht klarzumachen, dass das nicht stimmt. Und am Ende glaubte er mir und hat sich wieder beruhigt und entschuldigt. Seitdem haben wir wieder kontakt er sagte mir das er ständig an mich denken muss und ich ihm fehlen würde. Dann wollte er sich treffen und das ausreden. Ich stimmte zu und er kam zu mir in die Wohnung. Er hat sich nochmals für alles entschuldigt was nach und während unserer Beziehung falsch lief. Ich habe ihm alles Vorgehalten was mich so wütend gemacht hat die Letzen Wochen und Monate. Wir haben sehr lange geredet und es war wieder so vertraut. Und als er ging hat er mich umarmt und einen Kuss auf die Stirn gegeben. Danach war ich total verwirrt. Paar Tage später hat er mir geschrieben ob wir nicht zum Essen gehen wollen. Und ich habe eingewilligt. Wir waren essen alles war total harmonisch wir haben ewig geredet. Und als wir dann wieder in der Wohnung waren hat er mich gefragt ob wir es nicht noch einmal probieren wollen. Ich wusste nicht was ich darauf sagen soll. Er meinte ich muss jetzt auch nicht gleich antworten. Einerseits er war meine erste große Liebe … Ja klar mag ich ihn noch. Aber es ist in den letzten paar Monaten sehr viel vorgefallen. Nicht nur von Ihm sondern auch von meiner Seite her. Ich habe nur gehetzt und schlecht geredet über ihn. Ist natürlich nicht schön aber ist halt so gewesen. Er hat mich dann an dem Abend geküsst. Das Gefühl, was ich bei Ihm habe, wenn er mich küsst, habe ich bei keinem anderen bisher. Und deshalb bin ich total verwirrt. Mein Umfeld redet mir immer Drein ich solle mich nichtmehr auf ihn einlassen und ich wäre bescheuert wenn ich es nochmal probiere oder sie sagen so etwas wie er habe mich gar nicht verdient aber keiner fragt mich wie es mir in dieser Situation geht. Ich fühle mich definitiv überfordert Ein einziges Gefühlschaos. Ich kann mich kaum auf irgendwas konzentrieren. Geschweigenden schlafen. Ich habe zurzeit enorme Probleme einzuschlafen und das Aufstehen fällt mir auch dementsprechend schwer. Ich verschlafe fast jeden zweiten Tag was natürlich nicht so toll ist wegen der Arbeit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich machen soll geschweigenden wie ich damit umgehen soll.


Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende, vielen Dank für Ihre Offenheit, Ihre Situation so ausführlich zu beschreiben. Sie hatten anscheinend feste Pläne für eine gemeinsame Zukunft mit Ihrem Partner - und eine gemeinsame Wohnung. Dafür haben sie viel auf sich genommen, indem sie sogar eine Wohnung gekauft haben. Dann ist eine Routine in Ihre Partnerschaft eingetreten, was für Sie in eine Trennung gemündet ist. Dass Sie durch den Betrug Ihres Partners enttäuscht und verletzt sind, ist verständlich, da Ihr Vertrauen verletzt wurde. Sie schreiben ja, dass es Ihnen momentan nicht gut geht, sie Konzentrations- und Schlafprobleme haben und ein „Gefühlschaos“. Für mich ergeben sich aus Ihren Schilderungen vor allem zwei Bereiche, bei denen Sie ansetzen sollten, damit es Ihnen wieder besser gehen kann.

die gemeinsame Wohnung allein tragen?

Das erste ist die Überforderung durch die finanzielle Belastung durch die einst gemeinsame Wohnung. Das ist für Sie schwer zu stemmen. Sie mussten sogar einen zweiten Job annehmen. Unabhängig von der Situation mit Ihrem (Ex)Freund sollten Sie schauen, wie sie hier Entspannung in Ihre Lage bringen können. Stress fördert emotionale Dünnhäutigkeit noch und kann auch zu Schlafstörungen führen. Da könnten Sie verschiedenen Lösungsmöglichkeiten überlegen, von denen ich natürlich nicht weiß, was für Sie machbar und gewünscht ist. Beispielsweise könnten Sie prüfen, ob sie die monatlichen Zinszahlungen verringern können, ob Sie eine Mitbewohnerin/ einen Mitbewohner mit in die Wohnung aufnehmen möchten oder ob Sie die Wohnung vielleicht gar nicht halten wollen. Ich denke, eine entspannte Ausgangssituation ist die Grundlage dafür, dass Sie Klarheit in Ihre Gefühlswelt bringen können, was Ihren Freund betrifft. Sie sollten ja nicht in Versuchung kommen, die Beziehung wegen der finanziellen Lage wieder aufzunehmen. Sie sollten sich frei entscheiden können.

in Ruhe die eigenen Gefühle beobachten

Der zweite wichtige Bereich ist für mich eben Ihr Umgang mit dem „Gefühlschaos“. Sie sind verwirrt, sind sich unsicher, ob Sie es mit Ihrem Freund „noch einmal versuchen“ wollen oder nicht. Ich denke, das Beste, was Sie hier für sich tun können ist: Sich selbst Zeit geben! Da Sie sich ja schon getrennt haben, haben Sie eigentlich gar keinen Druck. Zwiespältige Gefühle in dieser Situation sind ja allzu verständlich. Sie können diese erst einmal annehmen und schauen, wie sie sich mit der Zeit entwickeln. Wenn Sie mögen, können Sie sich weiter mit Ihrem (Ex)Partner treffen und sich selbst dabei beobachten: Wie geht es mir, wenn er da ist? Wie fühle ich mich danach? Habe ich Sehnsucht nach ihm? Wie geht es mir, wenn ich allein bin oder mich auf andere Menschen konzentriere? Alle Gefühle und Gedanken die da sind, z.B. Schmerz, Freunde, Misstrauen, Wohlfühlen leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Sie irgendwann eine Entscheidung treffen können. Sie können sozusagen alle Gefühle in Ihrem „Chaos“ als wichtige Ratgeber willkommen heißen. Sie können Sie auch ihre unterschiedlichen Gefühle und Gedanken aufschreiben. Das hilft oft, um etwas Übersicht in dieses Durcheinander zu bekommen.

Was ist mir in einer Beziehung wichtig?

Da sie ja auch gute Gründe für eine Trennung hatten, z.B. die Routine und dass sich nichts mehr gemeinsam unternommen haben, können Sie sich auch folgende Fragen stellen: Was ist mir in einer Beziehung überhaupt wichtig? Wie wünsche ich mir das Zusammenleben im Alltag? Was erwarte ich von mir und von meinem Partner in einer langjährigen Beziehung? Welche Visionen habe ich für eine gemeinsame Zukunft? - Wenn Sie für sich Vorstellungen entwickelt haben, können Sie mit Ihrem Partner darüber ins Gespräch gehen und ihn nach seinen Vorstellungen und Visionen fragen. So können Sie gemeinsam herausfinden, ob es sich lohnt noch einmal einen Versuch als Paar zu starten. Und vielleicht erfahren Sie dabei sogar das ein oder andere Neue über sich selbst oder Ihren Partner. Auf diesem Weg wünsche ich Ihnen alles Gute!

Viele Grüße, Nora Thiemann

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Nora Thiemann ist systemische
Psychotherapeutin und lebt in Berlin.


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