Tochter nimmt Drogen und hat Ausbildung abgebrochen

Antwort von Klemens Lühr

Diana00, weiblich, Alter unbekannt

Liebes Expertenteam, mir fällt das kritische Verhalten meiner 17-Jährigen Tochter auf. In letzter Zeit hat sie Ihr Verhalten geändert. Sie war früher motiviert, hilfsbereit und sehr intelligent. Vor einem Jahr, das war der Juli 2016, hat sie ihre Mittlere Reife mit einem Schnitt von 1,3 abgeschlossen. Sie hat auch sofort eine Ausbildungsstelle bekommen und es könnte gar nicht besser laufen. Doch dann kam der erste Schock. Sie hat Ihre Ausbildung abgebrochen und keiner wusste warum. Doch sie bemühte sich nochmal um eine neue Stelle. Diese hat sie auch schnell gefunden, doch bereits 2 Wochen später gekündigt. Mittlerweile hatte sie vor einer Woche ihre dritte Ausbildung abgebrochen, in einem Altenheim, doch warum Sie das macht, kann sich keiner erklären. Man erkennt doch eine gewisse Motivation und Leistungsbereitschaft, die aber bereits ein paar Wochen danach wieder einbricht.

Seit 3 Monaten habe ich gemerkt das sie Cannabis konsumiert, in diesem Moment bin ich in Ihr Zimmer gegangen und wollte ruhig mit ihr reden, doch genau in diesem Moment hat sie sich den Joint angezündet und hemmungslos geraucht. Auch von Freunden, die früher viel Kontakt zu meiner Tochter hatten, haben mir berichtet, dass Diana sich stark verändert hat und vieles konsumiert. Unter anderen sind von Koks, Speed, Hash, Cannabis und mittlerweile von Ecstasy-Nächten die Rede. Bei einigen Sachen habe ich sie auch persönlich erwischt, doch ihr ist das egal und sie hat auch keine Scheu es offen vor mir zu konsumieren. Ihr Verhalten kann man mittlerweile als sehr unterschiedlich beschreiben, doch stark auffallend ist, dass sie viel an Gewicht verliert, kaum noch redet und oft verwirrt vorkommt, da sie Gesprächen oft nicht mehr folgen kann oder mittendrin was Unpassendes sagt.
Wie kann ich dieses Verhalten deuten?
Wie kann ich Ihr am besten helfen, wenn sie keine Hilfe annimmt? (Vor mehreren Tagen kam sie recht verzweifelt zu mir, hat geweint und über Angst vor dem Tod und ihrer Zukunft berichtet.)
Vor allem auffällig geworden ist, dass sie keinen Tag mehr ohne Alkohol nach Hause kommt und wenn sie dann trinkt, meist Mischkonsum, meint sie, es muss wenn dann richtig reinhauen bis es ihr richtig schlecht geht.


Antwort von Psychologen Online

Liebe Anfragende, vielen Dank für Ihre Anfrage und die Schilderung Ihrer Situation. Als liebende Mutter schmerzt es Sie, zu sehen, wie das eigene Kind leidet, während Sie wenig Einfluss auf die Situation verspüren. Ich habe verstanden, dass Sie nicht nur möchten, dass es Ihrer Tochter wieder besser geht, Sie wünschen sich auch mehr Nähe zu ihr. Dabei freute mich zu lesen, dass Ihre Tochter sich auch jetzt, in gewissen Stunden, Ihnen anvertraut und ihre Sorgen und Ängsten mitteilt. Dass sie sich nicht immer anvertraut, dafür gibt es aus der Sicht Ihrer Töchter sicher viele gute Gründe. Man könnte vermuten, dass Ihre Tochter Sie schützen möchte, da sie erkennt, wie viel Leid ihre Mutter dabei erfährt. Möglicherweise sind belastende Themen auch mit Scham verbunden. Vielleicht führen Gespräche über Gefühle auch dazu, dass Ihre Tochter sich in den negativen Gefühlen vertieft – daher möglicherweise besser schweigen, könnte sie denken. Meinen Sie Ihre Tochter könnte sich Menschen, die Ihnen weniger nah stehen, leichter anvertrauen? Vielleicht an einen Freund oder eine Bekannte. Ihrer Tochter auch weiterhin das Angebot zu machen, mit Ihnen sprechen zu können, ist wichtig. Bestimmt nimmt Sie Ihr Angebot ab und zu doch an und lässt Sie Einblick haben, in ihre Welt.

die Ausbildung abgebrochen - welche Gründe könnte es geben?

Sie haben drastische Veränderungen Ihre Tochter zu einem konkreten Zeitpunkt in kurzer Zeit beschrieben. Sicher haben Sie schon viele mögliche Ursachen durchgespielt. Welche Hypothesen haben andere Menschen? Fragen Sie bewusst bei unterschiedlichen Personen nach und achten Sie auch auf kleine Unterschiede bei den beschriebenen Gründen. Gerade die Unterschiede in den Erklärungen geben Ihnen mehr Informationen und erweitern Ihr Bild.

Und, ist die von Ihnen beschrieben Veränderung konstant und immer beobachtbar? Oder gibt es auch heute Momente, in denen Ihre Tochter besser gelaunt, motiviert und zuversichtlicher ist. Wenn ja, warum ist es manchmal so, und manchmal nicht? Warum gibt es Unterschiede?

Schule, Ausbildung, Selbstständigkeit

Nachdem die Schule beendet ist, beginnt eine neue Lebensphase. Diese jungen Menschen begeben sich wieder in ein neues Umfeld mit neuen Aufgaben. Beim Übergang von einer Phase in die nächste Phase spricht man auch von EntwicklungsKRISEN – weil damit Unsicherheiten und Ängste verbunden sein können. Noch ist der eigene Platz nicht gefunden, die Orientierung fehlt – noch fehlt ein Bild davon, wie die Zukunft aussehen wird. Die Wahl eines Ausbildungs- oder Studienplatzes steht manchmal unter dem Druck, die Weichen für eine glückliche Zukunft stellen zu müssen. Wichtig dabei ist nicht, ob die jetzige Weichenstellung wirklich so wichtig ist, sondern, das man dies glaubt. Oder ob man glaubt, dass andere wichtige Menschen diese Entscheidung für wichtig halten. Was glaubt Ihre Tochter, welche Erwartungen ihrer Mutter an sie hat? Was glaubt sie, was ihre Freunde der ehemaligen Klassenstufe von ihr erwarten?

Ein Umgang mit Drogenmissbrauch

Zum Drogen- und Alkoholkonsum Ihrer Tochter: Entscheidend ist, dass Sie deutlich aussprechen und demonstrieren, dass Sie das gezeigte Verhalten ablehnen. Nicht ausgesprochener Protest kann als Duldung oder Gewöhnung verstanden werden. Sollte Ihr eigener Einfluss als Mutter zurzeit nicht wirksam genug sein, könnte es helfen, andere für Ihre Tochter wichtige Menschen hinzuzuziehen. Was würde die Oma, der ehemalige Klassenlehrer oder die vertraute Nachbarin Ihrer Tochter sagen? Manchmal schützt die Scham vor der Wahrheit die Täter. Wägen Sie diesen Schritt gut ab, er birgt Konfliktpotential in sich.

Der Konsum von Drogen kann die Ursache für die deutlichen Verhaltensänderungen der Tochter sein, zum Beispiel auch die stark schwankende Stimmung, Ängste und Verwirrtheitszustände. Sie beschreiben ja, dass Ihre Tochter in letzter Zeit unterschiedliche Drogen konsumiert, die teilweise auch schnell zu einer Abhängigkeit und zu Gesundheitsrisiken führen können. Sie sollten Ihrer Tochter vorschlagen, eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Wenn Sie dies ablehnt, können Sie sich als Mutter dort auch gezielt zu dem Thema von Experten beraten lassen. Ein möglicher Einstieg, sich mit der Problematik von Drogen zu beschäftigen, ist die interaktive Internetseite: www.drugcom.de. Dort gibt es viele Informationen zu den unterschiedlichen Drogen. Man kann Selbsttests machen. Und es gibt eine Beratung in einem kostenlosen Chat.

Liebe Diana, ich hoffe, Sie haben einige neue Ideen erhalten. Wenn Sie ein kostenloses Beratungsangebot suchen, wenden Sie sich bitte an die Beratungsstellen der AWO, Diakonie oder Caritas in Ihrer Nähe. Dort können Sie eine kompetente Beratung vor Ort erhalten. Auch die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter Wenn Sie ihr Thema mit Psychologen Online näher besprechen wollen, wählen Sie gern einen freien Termin aus.

Viele Grüße, Klemens Lühr

Die Antworten im Blog von Psychologen Online bieten eine erste Orientierungshilfe. Sie können keine Psychotherapie ersetzen und können auch keine Hilfe bei ernsten psychischen Problemen leisten. Die Online-Beratung erfolgt unentgeltlich durch einen Psychologen von Psychologen Online. Die Antwort bringt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin zum Ausdruck und spiegelt nicht unbedingt die Meinung von Psychologen Online wider.
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Klemens Lühr ist Psychologe und systemischer
Berater und lebt in Dortmund.


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